Arbeitsmarkt
Gute Chancen für Beschäftigte jenseits der 60

In den vergangenen Jahren ist die Zahl älterer Beschäftigter fast stetig angestiegen. Schon mehr als ein Viertel der Menschen zwischen 60 und 64 haben einen Job. Doch es bleibt noch viel Platz nach oben.
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BerlinMenschen jenseits der 60 werden am Arbeitsmarkt immer gefragter. Innerhalb von weniger als fünf Jahren hat sich der Anteil der Beschäftigten mit einer sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstelle unter den 60- bis 64-Jährigen um gut zehn Prozentpunkte erhöht. Das zeigen neue Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA), die dem Handelsblatt vorliegen.

Danach lag die Beschäftigungsquote in dieser Altersklasse im September 2011 bei 28,3 Prozent. Anfang 2007, kurz nach dem politischen Startschuss für die Anhebung des Renteneintrittsalters, waren es nur 18,2 Prozent gewesen. Allein im Vergleich zum Vorjahresmonat kletterte die Quote um 3,4 Prozentpunkte. Gegenüber dem Vorquartal legte sie um 0,8 Prozentpunkte zu.

Die vierteljährlich aktualisierte Statistik ist eine Schlüsselgröße für die Rentenpolitik, seit im Januar der erste Schritt zur Anhebung des gesetzlichen Ruhestandsalters in Kraft getreten ist. Die SPD wendet sich gegen die einst von ihrem Vizekanzler Franz Müntefering durchgesetzte Reform, weil die Chancen älterer Arbeitnehmer nach wie vor völlig unzureichend seien. Zu Jahresbeginn hatte sie deswegen gefordert, eine Beschäftigungsquote von mindestens 50 Prozent zur Bedingung für die Umsetzung der Rente mit 67 zu machen.

Die neuen Daten zeigen zunächst einmal, dass der Trend inzwischen kräftig nach oben weist. Insgesamt hatten im September 2011 gut 1,32 Millionen 60- bis 64-Jährige eine sozialversicherungspflichtige Arbeit. Das waren 158.000 oder fast 14 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor. Auch in der etwas weiter gefassten Gruppe der 55- bis 64-Jährigen gibt es deutliche Zuwächse. Dort stieg die Beschäftigung binnen Jahresfrist um 275.000 oder 7,1 Prozent.

Dass die Bedingung der SPD erfüllt werden könnte und jeder Zweite über 60 in einem Normalarbeitsverhältnis steht, ist dagegen noch lange nicht in Sicht. Allerdings ist zugleich auch heftig umstritten, inwieweit diese Messlatte für ein sinnvolles Urteil taugt.

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DGB beklagt „Schönrechnerei“

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  • Ganz interessant ist auch die Deutung, dass die Rentner gar nicht mehr in Rente wollen. Sie arbeiten nachher einfach weiter und bessern so ihr Haushaltsbudget auf. Vielen soll es sogar gelingen ohne Unterstützung auszukommen.

    In Griechenland hat sich gestern ein Rentner erschossen, weil er nach 35 Jahren keine auskömmliche Rente hatte. Den sozialen Abstieg, indem er die Müllkörbe nach etwas essbarem durchsucht wollte er sich ersparen.

    Er wollte sich etwas ersparen, was hier in Deutschland mittlerweile zum Stadtbild gehört.

    Selbst Ackermann sträuben sich dabei die Nackenhaare und er hat selbst gesagt, dass er jedem Bettler, dem er begegnet, etwas gibt. Es reicht trotzdem nicht wie wir sehen. Möglicherweise hat er aber auch Zuspruch gedacht.

  • Ihr heute im Saft stehenden Berufstaetigen ! Ihr werdet schneller aelter als 50 als ihr denkt !!!! Dann werdet ihr es auf egenem Leib ertragen muessen, was man mit aelteren
    Leuten macht. Ihr werdet auch fuer 400 € knechten muessen, sich von Zeitarbeitsfirmen zu Billigloehnen herumschubsen lassen muessen oder als Bittsteller bei Harz 4 Agenturen vorsprechen muessen, um existieren zu koennen !
    Agenda 2010 wird euch auch erwischen......

  • Toll, oder anders ausgedrückt, etwas weniger als 3/4 aller Arbeitnehmer sind von Rentenabschlägen betroffen !!
    Liebes Handelsblatt, seriöser Journalismus geht anders...

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