Asien
China bleibt die Lokomotive, aber Japan hat Probleme mitzukommen

Die chinesische Regierung tut derzeit alles, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Dabei hilft der schwache Yuan, Experten halten die Währung für klar unterbewertet. Der niedrige Kurs halte den Export in Schwung und wirke einem Anstieg der Arbeitslosigkeit entgegen. Japan dagegen leidet unter dem hohen Yen.
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TOKIO. Trotz Sorge um eine Überhitzung der chinesischen Wirtschaft bleibt das Reich der Mitte der Motor des Wachstums in Asien. Auch im Jahr 2010 sei in China ein Wachstum von acht bis neun Prozent zu erwarten, sagt Ökonom Tsutomu Miyagawa von der renommierten Gakushûin-Universität in Tokio. Von der hohen chinesischen Nachfrage profitieren auch die benachbarten Länder. Für die weltweit immer noch zweitgrößte Volkswirtschaft Japan erwartet Miyagawa etwa 0,5 Prozent Wachstum - also immerhin ein Ende der Rezession. Insgesamt ergibt sich das Bild eines Kontinents, der den USA zwar tief in die Krise gefolgt ist, sich nun jedoch zu vergleichsweise lebendiger Erholung fähig zeigt. Asien sei in deutlich besserem Zustand als alle anderen Regionen weltweit, bestätigen Experten der Großbank UBS. Robuste Finanzsysteme und nur mäßig verschuldete Konsumenten lassen auf dem gesamten Kontinent weiteren Spielraum für Wachstum.

Die chinesische Regierung tut derzeit alles, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Den Ausfall der Exporte in die USA hat sie mit Konjunkturprogrammen ausgeglichen; das Wegsacken der ausländischen Direktinvestitionen ersetzt sie durch eine Politik des lockeren Geldes im Inland. Die Gefahr, dass in nächster Zeit auch in China eine Blase platzt, hält Miyagawa jedoch für gering. "Schon in der ersten Hälfte des Jahrzehnts haben viele Stimmen die China-Blase beschworen, doch wir haben einfach nur solides Wachstum gesehen." Gerade in den ärmeren Regionen im Westen des Landes bestehe noch viel Luft für Investitionen und eine Steigerung des Konsums. Die Regierung habe zwar die Geldschleusen sehr weit geöffnet, doch das entspreche im Wesentlichem dem starken Wachstum der Realwirtschaft. Den chinesischen Yuan hält Miyagawa für klar unterbewertet. Das halte den Export in Schwung und wirke damit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit entgegen.

Im Nachbarland Japan sieht die Lage nicht ganz so rosig aus. "Die Wirtschaftsentwicklung in Japan hängt zu einem guten Teil von den Exporten nach China ab", so Miyagawa. Daher ist es dort umgekehrt die Stärke der eigenen Währung, die der Wirtschaft Sorgen macht. Von der Regierungspolitik erwartet der Wirtschaftsprofessor im kommenden Jahr gemischte Impulse. Seit September ist eine eher linksorientierte Koalition an der Macht, die vor allem die Lage der einfachen Japaner verbessern will: "Haushalte statt Beton" und meint damit eine Umschichtung der Staatsausgaben für Bauprojekte zugunsten der Förderung von Familien mit Kindern. Die Regierung wolle gleichzeitig sparen und die Konjunktur ankurbeln, moniert er.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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