Ausblick
Bau warnt vor Euphorie

Die Talsohle hat die deutsche Bauindustrie zwar endgültig durchschritten. Vor allzu großer Zuversicht warnen die Vertreter des Sektors jedoch. Die Stimmung sei besser als die Lage.

BERLIN HB. Die Bauwirtschaft hat im ersten Quartal 2007 real 7,1 Prozent mehr Auftragseingänge verbucht als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das meldet die Bundesvereinigung Bauwirtschaft. Dabei schnitt die Bauwirtschaft in den neuen Ländern mit einem Plus von acht Prozent ab, in den alten Ländern lag der Wert bei 6,9 Prozent. Damit setzt sich der positive Trend des vergangenen Jahres fort: Bereits 2006 wurde der seit Mitte der 90-er Jahre anhaltende Rückgang der Bautätigkeit in Deutschland gestoppt. Allerdings warnt die Branche vor Euphorie: "Die Stimmung ist im Moment noch besser als die Lage", sagt Karl-Heinz Schneider, Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, die die zwölf Spitzenverbände des deutschen Bau- und Ausbauhandwerks unter einem Dach vereint und rund 300.000 Betriebe mit 2,6 Millionen Beschäftigten repräsentiert.

Die aktuelle Geschäftslage im Frühjahr 2007 bewerten die Betriebe des Bauhauptgewerbes im Westen zu 50 Prozent und im Osten zu 47 Prozent als befriedigend. 26 Prozent der westdeutschen und 27 Prozent der ostdeutschen Betriebe bezeichnen die aktuelle Geschäftslage sogar als gut. Für die nächsten drei Monate erwarten lediglich 16 Prozent der Betriebe in den alten Ländern und 18 Prozent der Betriebe in den neuen Ländern eine Verschlechterung der Geschäftslage. Im Ausbaugewerbe liegen die Einschätzungen zur Geschäftslage noch etwas günstiger: Im Westen bezeichnen 79 Prozent und im Osten 68 Prozent der Betriebe ihre Lage als befriedigend oder gut. Nur 14 Prozent der westdeutschen und 17 Prozent der ostdeutschen Betriebe rechnen in den kommenden Monaten mit einer Verschlechterung der Geschäftslage.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Investitionen der gesamten Baubranche im ersten Quartal dieses Jahres preisbereinigt um 15,3 Prozent im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2006 geklettert. Saison- und kalenderbereinigt war das ein Plus von 3,5 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2006, meldete die Behörde Ende Mai.

Der Bausektor hatte im vergangenen Jahr seine jahrelange Talfahrt gestoppt und erstmals wieder deutlich steigende Investitionen verzeichnet. Der Bau trug 0,4 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei und damit so viel wie seit 1994 nicht mehr. Insgesamt legte die deutsche Wirtschaft 2006 um 2,8 Prozent zu.

Dass der Boom des Vorjahres auch zu Jahresbeginn 2007 anhält, hat mehrere Ursachen. Maßgeblich habe "die gute Witterung" dazu beigetragen, kommentierten die Bundesstatistiker. Auf Baustellen sei es dadurch kaum zu Einschränkungen der Bautätigkeit gekommen, wovon der Tiefbau in besonderem Maß profitiert habe: Der öffentliche Tiefbau stieg gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 37,5 Prozent, der gewerbliche Tiefbau nahm um 20,5 Prozent zu.

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