Ausfuhren
Überraschender Dämpfer für deutsche Exportwirtschaft

Die Unternehmen in Deutschland haben im Oktober 1,1 Prozent weniger im Ausland abgesetzt als im Vormonat. Das war der stärkste Rückgang seit einem halben Jahr, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Bankenvolkswirte zeigten sich wenig überrascht von den Zahlen. Sie erwarten vielmehr einen weiteren Schub für den Außenhandel.
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HB BERLIN. Analysten hatten dagegen ein Umsatzplus von 0,5 Prozent vorhergesagt. Im September hatte es noch ein kräftiges Wachstum von 3,0 Prozent gegeben.

Insgesamt wurden Waren im Wert von 86,8 Milliarden Euro verkauft. Das waren 19,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Exporte in die Staaten außerhalb der Europäischen Union zogen mit 28,4 Prozent besonders stark an, während die Ausfuhren in die Euro-Länder nur um 12,7 Prozent zulegten. Von Januar bis Oktober lag das Plus sogar bei 19,1 Prozent. Der Exportverband BGA rechnet für 2010 mit einem Wachstum von 16 Prozent auf 937 Milliarden Euro - das wäre der stärkste Zuwachs seit zehn Jahren. 2011 soll erstmals die Billionengrenze geknackt werden.

Wegen der Wachstumsschwäche in den USA und einigen Euro-Ländern sowie dem Auslaufen staatlicher Konjunkturprogramme bei wichtigen Handelspartnern dürften die Geschäfte in den kommenden Monaten nicht mehr so rasant wachsen: Im Oktober stiegen die Auslandsaufträge der exportabhängigen Industrie nur noch 0,8 Prozent, während die Inlandsaufträge drei Mal so stark zulegten.

Die Importe stiegen im Oktober um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Analysten hatten ein Plus von 1,5 Prozent vorausgesagt. Insgesamt wurden Waren im Wert von 72,6 Milliarden Euro eingeführt - 21,0 Prozent mehr als vor Jahresfrist und so viel wie noch nie zuvor. Der um Saison- und Kalendereffekte bereinigte Handelsüberschuss - die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren - lag im Oktober bei 14,3 Milliarden Euro.

Bankenvolkswirte zeigten sich wenig überrascht von den Zahlen: „Wir hatten wegen der schwächeren Auftragsentwicklung in der Industrie mit einem Rückgang gerechnet", sagte Jörg Lüschow von der WestLB. Der Außenhandelsüberschuss liege aber noch über dem Niveau des dritten Quartals. "Der Außenhandel dürfte deshalb das Wachstum auch am Jahresende anschieben", ist sich der Ökonom sicher. Lüschow schränkte aber ein, dass sich die Exportdynamik in den kommenden Monaten abschwächen werde. Grund sei, dass das weltweite Wirtschaftswachstum etwas nachlasse. "Das schlägt mit Verzögerung auf unsere Exporte durch.“

Alexander Koch von der Unicredit sprach zwar von deutlich schlechteren Zahlen als erwartet. "Aber insgesamt bleibt das Bild für die Exporteure sehr gut", sagte der Ökonom. Das habe man auch bei den Industrieumsätzen gesehen: Im Ausland seien die Geschäfte für die Firmen sehr gut gelaufen. "Das legt nahe, dass es bei den Ausfuhren selbst nur eine kurze Korrektur ist", so Koch.

Der Optimismus werde jedenfalls unterstützt durch die weiter sehr gute Unternehmensstimmung, die sich in hohen Exporterwartungen widerspiegele, fügte er hinzu. "Die Einkaufsmanagerindizes signalisieren einen Aufschwung in China, und auch in den USA geht die Erholung zwar langsam, aber stetig voran", so Koch weiter. Das Umfeld sei damit trotz bestehender Euroraumrisiken weiterhin sehr günstig.

Kommentare zu " Ausfuhren: Überraschender Dämpfer für deutsche Exportwirtschaft"

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  • @[6] herbert ax,
    ganz so schlecht geht es uns doch nicht:
    Anfangsgehalt einer Grundschullehrerin bayern circa EUR 2000,-
    Anfangsgehalt einer Schullehrerin Athen EUR circa 800,-
    Die Preise sind aber genau so hoch in beiden Städte da in beiden Städten in EURO bezahlt wird.
    Gut, die Griechen essen vielleicht etwas weniger, sie sind im Durchschnitt kleiner also Klamotten könnten (sollten) auch billiger sein. Aber alles andre ist doch gleich.
    Und jetzt müssen die noch sparen. Womit sollen sie unsere Luxuskarossen kaufen, Schulden dürfen sie leider nicht mehr machen.

  • Ach gottchen die Weltwirtschaft spielt nicht nach den Vorstellungen unserer Volkswirtschaftsillusionisten. Wir sind mal wieder Exportweltmeister, na ja etwas runter gegangen aber sonst. Der super Export ist toll das ist gut, wir sind sogar so gut und exportieren sogar unsere Altersversorgung unsere Ersparnisse und unseren früheren mit der DM erarbeiteten Wohlstand mit in die Welt und erhalten wunderbare bunt bedruckte Scheine oder Schuldversprechen, die jedoch noch nicht einmal das Papier Wert sind auf dem sie gedruckt sind. Wie wir davon (das sagen ja alle die etwas davon verstehen) profitieren kann man seit Jahren sehen (bei Renten, Arbeitnehmereinkommen, sicheren Arbeitsplätzen, öffentlichen Leistungen, etc.) geht es immer weiter abwärts, die Unternehmenseinkommen, Pensionen, Managereinkommen, bankerboni, Politikerselbstbedienungseinkommen, Staatsschulden zeichnen aber eine wirklich beeindruckende Kurve nach oben. Das ist wirklich bemerkenswert. ist das die Gesellschaft die sich die Mehrheit so wünscht? Dann ist wirklich das Ende absehbar.

  • @[4] Klaus Walter,
    http://www.deutsche-schutzgebiete.de/verbreitung_der_deutschen.htm
    Vielleicht wird so was angestrebt?

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