Konjunktur
Bank of England steckt in der Zwickmühle

Die anhaltende Inflation lässt der britischen Notenbank keinen Spielraum für Zinssenkungen. Inzwischen befürchten Ökonomen ernsthaft, dass eine Rezession droht.

LONDON.Der kommende Donnerstag dürfte für die Bank of England (BoE) einer der schwierigsten Tage seit der Entlassung in die Unabhängigkeit vor zehn Jahren werden. Der geldpolitische Rat um Notenbankgouverneur Mervyn King steckt in der Zwickmühle. Auf der einen Seite zwingt der anhaltende Inflationsdruck die BoE ähnlich wie die europäische Zentralbank zu einer strikteren Geldpolitik, auf der anderen Seite mehren sich die Indizien, dass die britische Wirtschaft vor der tiefsten Krise seit der letzten Rezession Anfang der 90er-Jahre steht. Angesichts dieser vertrackten Ausgangslage erwartet die große Mehrheit der Volkswirte, dass sich die BoE bei der Zinsentscheidung am Donnerstag zunächst für Abwarten entscheidet.

Bereits zwei Mal senkten die britischen Währungshüter die Zinsen in diesem Jahr um 25 Basispunkte, um die von der Finanzkrise geschwächte Konjunktur zu stützen. Doch mit fünf Prozent liegen die Leitsätze auf der Insel noch immer deutlich höher als in der Euro-Zone und in den Vereinigten Staaten. Zuletzt kletterte die Inflationsrate auf der Insel auf über drei Prozent, und die Notenbanker warnen, dass die Teuerung wegen des rapiden Anstiegs der Lebensmittel- und Energiepreise im Laufe des Jahres auf über vier Prozent anziehen könnte. Der Angst vor galoppierender Inflation steht die Furcht vor einer Wirtschaftskrise gegenüber.

Gestern lieferte die britische Handelskammer das jüngste Indiz für die rasante Abkühlung der britischen Wirtschaft, die 2007 noch mit einer robusten Rate von drei Prozent wuchs. "Wir sehen das ernste Risiko einer Rezession", warnte David Kern, Volkswirt der British Chambers of Commerce (BCC). "Die Aussichten sind finster, und der Abschwung könnte heftiger und unangenehmer ausfallen, als viele glauben". Die BCC sieht bis Ende des Jahres 300 000 Arbeitsplätze in Gefahr. Die Angst vor einer Wirtschaftskrise sorgte gestern am britischen Aktienmarkt für weitere Kursverluste. Seit seinem Hoch im August 2007 hat der Leitindex mehr als 20 Prozent an Wert verloren, was als Indikator für eine länger Schwächephase (Bärenmarkt) gilt.

In Großbritannien hat die Finanzkrise längst auf die Realwirtschaft durchgeschlagen. Die Banken haben ihr Kreditangebot an Haushalte und Unternehmen im Frühjahr erneut deutlich eingeschränkt und verteuert. Für das dritte Quartal sagt eine Umfrage der BoE eine weitere Verschlechterung der Kreditversorgung voraus.

Der Engpass trifft vor allem den für die britische Konjunktur wichtigen Immobilienmarkt. Derzeit fallen die Häuserpreise schneller als während der letzten Rezession. Besonders skeptisch sieht Analyst Mark Hake, Analyst der US-Bank Merrill Lynch, den Immobilienmarkt. Er sagt für dieses Jahr einen Preisrutsch von 17 Prozent voraus, und warnt, dass eine reale Erholung bis zu 20 Jahre dauern könnte.mm

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