Bankenunion
Nowotny will die EZB-Bankenaufsicht nicht überfordern

Eine einheitliche Aufsicht der EZB über alle Banken der Eurozone kommt 2013. Jetzt warnt EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny davor, der Kontrollinstanz zu viel Verantwortung zuzuschieben.
  • 1

WienEZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hat angesichts der Pläne für eine zentrale Bankenaufsicht vor einer Überforderung der Europäischen Zentralbank gewarnt. "Man muss wie bei jeder Aufsichtsmaßnahme darauf aufpassen, dass man auch tatsächlich die Mittel hat, damit man diese Verantwortung erfüllen kann", sagte Nowotny am Donnerstag am Rande einer Regulierungskonferenz in Wien. "Das ist jetzt die Diskussion, die zu führen ist." Das EU-Vorhaben, eine Kontrollinstanz für alle rund 6000 Geldhäuser in der Eurozone zu schaffen, sei ein wichtiger Ansatz. Allerdings müsse die EZB sicherstellen, "dass sie nur Verantwortungen übernimmt, die sie auch voll korrekt und seriös erfüllen kann", sagte Österreichs Notenbank-Chef. Ansonsten drohe der Ruf der EZB Schaden zu nehmen.

Eine einheitliche Aufsicht der EZB über die Banken in den 17 Euro-Ländern ist ein zentraler Bestandteil der von der EU geplanten Bankenunion. Sie soll bereits Anfang 2013 starten und spätestens bis Anfang 2014 alle Geldhäuser unter die Kontrolle der Zentralbank stellen. Diese würde damit künftig über Banklizenzen und deren Entzug, über Fusionen und Verkäufe von Geschäftsbereichen sowie die Kapital- und Liquiditäts-Ausstattung von Banken entscheiden.

Die Rolle nationaler Aufseher werde damit aber nicht überflüssig, sagte Nowotny. "Es ist ja völlig klar, dass die Aufsicht über kleine Institute de facto und in der Tat nur über regionale Aufseher gemacht werden kann." Zudem sei aus seiner Sicht wünschenswert, damit auch Institute aus Nicht-Euro-Ländern in Zentral- und Osteuropa zu erfassen - "und zwar auch im Interesse der betroffenen Staaten." Besonders für jene Länder, die wirtschaftlich eng mit der Euro-Zone verflochten seien, sei eine einheitliche Regulierung von Vorteil.

Neben der gemeinsamen Aufsicht will die EU im Rahmen der Bankenunion auch einheitliche Regeln für einen Schutz der Einlagen und eine Abwicklung von Banken aufstellen. Dies dürfte aber laut Nowotny noch dauern. "Bei Teil zwei und Teil drei sind wir noch nicht so weit, dass man sehr rasch zu Lösungen kommt. Ich würde mich daher auf die gemeinsame Aufsicht konzentrieren", sagte Nowotny.

Generell stoße Europa bei seinen bestehenden und geplanten Regulierungsschritten an Kapazitäts- und Kostengrenzen. "Ich denke, dass man in manchen Fällen besser vorankommt mit einfachen klaren Verboten, als mit differenzierten Regulierungen", sagte Nowotny. Dies gelte etwa für den Hochfrequenzhandel. "Ich glaube, high frequency trading ist zu verbieten - da ist nichts zu regulieren."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bankenunion: Nowotny will die EZB-Bankenaufsicht nicht überfordern "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Herr Nowotny züchtet offenbar gern zahnlose Tiger. Als ob Hochfrequenzhandel zu verbieten ist. Er findet dann eben außerhalb der EU statt. Soll sich doch damit ruinieren, wer will. Nur bekannt sollte es sein und die Haftung der Bank auf deren Eigentümer durchgreifen.
    Ebenso kuschelig ist die geplante Bankenaufsicht durch die EZB. Was nützt es, wenn die Banken mit den angehäuften Gewinnen außerhalb der EU sitzen und dort massig Boni ausschütten, während die Bankster der ausgeplünderten Banken innerhalb der EU für die Verluste nicht haften müssen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%