Bei Treffen in China
Globalisierungsgegner mischt Weltbank-Pressekonferenz auf

Aufregender Tagesbeginn für Weltbank-Chef Robert Zoellick: Auf einer groß angelegten Pressekonferenz in China tauchte ein lautstarker Globalisierungsgegner auf. Der Mann erklärte danach dem Handelsblatt seine Motive.
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PekingSchon seit drei Tagen tourt Weltbank-Chef Robert Zoellick durch China, um sein neuestes Prestigeprojekt vorzustellen: Einen Wirtschaftsbericht mit Namen “China 2030: Building a Modern, Harmonious and Creative High Income Society”. Höhepunkt sollte eine Pressekonferenz am heutigen Dienstag vor chinesischen und internationalen Journalisten sein. Doch kaum hatte Zoellick angefangen zu sprechen, stand ein Mann im Anzug auf, der sich Du Jianguo nannte.

„Wir müssen der gefährlichen Ideologie der Weltbank etwas entgegensetzen!“, rief der Globalisierungsgegner. „Radikale Privatisierung ist der falschen Weg!“ Noch während die Sicherheitsleute der Weltbank versuchten, ihn aus dem Raum zu zerren, erläuterte er in Kurzfassung seine Gedanken. „Die Rezepte der Weltbank haben bereits in den entwickelten Ländern und in zahlreichen Entwicklungsländern versagt“, rief er. „Warum sollten sie jetzt plötzlich gut für China sein?“

In dem Bericht empfiehlt die Weltbank dem großen Schwellenland, die Rolle des Staates zurückzufahren, mehr Wettbewerb zuzulassen und regierungseigene Firmen zu privatisieren. Nur so könne China weiteres Wachstum sicherstellen. Den Report hat die Weltbank zusammen mit der Entwicklungs- und Reformkommission erstellt, der chinesischen Wirtschaftsplanungsbehörde.

Globalisierungsgegner Du gibt an, Ökonom zu sein und eine anderer Ansicht zu vertreten: „Privatisierungen und Steuersenkungen werden nur dazu führen, dass die Wall Street uns ausplündert und die Ungleichheit steigt.“ Die Schere zwischen Arm und Reich werde sich öffnen wie in Amerika. Eine Deregulierungsstrategie bringe auch kein Wachstum, wie die Katastrophe um Subprime-Papiere vor drei Jahren gezeigt habe.

An diesem Punkt gelang es den Sicherheitsleuten der Weltbank schließlich, den mittelgroßen Mann zu überwältigen. Im Blitzlichtgewitter der Reporter und begleitet von den Fernsehkameras schleppten sie Du Jianguo aus dem Saal.

„Immerhin löst unser Bericht in China lebhafte Debatten aus“, sagte Zoellick. Er betonte, dass die Weltbank China nicht die Wirtschaftspolitik vorschreiben wolle. „Wir dürfen nicht vergessen, dass China seinen eigenen Weg finden muss.“ Die chinesische Führung unterstütze den Bericht schon seit den ersten Diskussionen über seinen Inhalt vor einem halben Jahr.

Zoellick wiederholte, dass der Staatskapitalismus nur bis zu einem bestimmten Punkt funktioniert. Danach seien mehr Kreativität und Innovationen nötig – und die können nur von privaten Unternehmern kommen.

Das derzeitige Entwicklungsmodell mit hohen Investitionen in neue Straßen und hohem Export funktioniere langfristig nicht. Die Länder des Westens können und wollen längst nicht so viel Waren abnehmen, wie China anbieten müsste, dazu kommen Umwelt- und Sozialprobleme. Die Kurzfassung des Berichts: In den kommenden 20 Jahren müsse China moderner werden.

„Ich habe schon mit schlimmeren Demonstrationen gelebt“, spielte Zoellick den Protest herunter. „Wenn ich eine Übersetzung seines Pamphlets bekomme, werde ich mich mit den Gedanken dieses Herrn ernsthaft auseinandersetzen.“

Nach der Pressekonferenz erklärte Du dem Handelsblatt seine Motive. Er sei Ökonom, lehne aber die radikale Marktideologie der Weltbank ab. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, dem Weg anderer Schwellenländer zu folgen und den vergifteten Rat solcher Institutionen zu folgen.“

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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  • Wirtschaft alleine gesehen hat keinerlei Macht, erst wenn Sie sich mit Politik und Lobbyismus vermischt entsteht eine gefährliche Mischung. Das Schlimmste aber was kaum einer erkennt, dass wir keinen freien Wettbewerb im Geldsystem haben, sondern ein staatliches Papiergeldmonopol, wo Geld aus dem Nichts und ohne jegliche Sachwertdeckung gezaubert wird.

  • Wo er recht hat, hat er recht. Die großartigen Rezepte der Weltbank haben zahlreiche Staaten in der Dritten Welt völlig ruiniert. "Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."

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