Bewertung
Bank-Volkswirte halten Metall-Abschluss für Stellenvernichter

Volkswirte deutscher Banken werten den Tarifabschluss in der Metallbranche als zweischneidiges Schwert: Zwar sei es überaus positiv, dass die Unternehmen um einen Streik herumkämen. Der Abschluss sei aber so hoch ausgefallen, dass von ihm kein Impuls für mehr Stellen ausgehen könne - im Gegenteil.

HB BERLIN. Die Ökonomen der Deutschen Bank, der Commerzbank und der Dresdner Bank stellten am Montag übereinstimmend fest, dass der in NRW erzielte Pilotabschluss für die Metall- und Elektroindustrie keinen Einfluss auf die Konjunkturentwicklung haben wird.

Deutsche Bank-Volkswirt Stefan Bielmeier lobte, dass ein Streik vermieden wurde und mit der flexiblen Einmalzahlung ein „positives Element“ in den Abschluss aufgenommen wurde. Längerfristig dürfte die vereinbarte Lohnerhöhung aber der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland weiter Vorschub leisten.

Nach Ansicht der Commerzbank ist der Abschluss trotz des voraussichtlichen Produktivitätsanstiegs in der Metall- und Elektroindustrie „nicht beschäftigungskonform“, weil ein erheblicher Teil der Produktivitätssteigerung auf Entlassungen zurückgehe. Die Rationalisierungsbestrebungen in der Branche würden sich nun noch verschärfen. Die vereinbarte Öffnungsklausel für betriebliche Einmalzahlungen sei aber ein Fortschritt.

Die Dresdner Bank sieht den NRW-Pilotabschluss am oberen Rand des Vertretbaren. Der Abschluss werde die Beschäftigung nicht fördern, sagte Dresdner Bank-Chefvolkswirt Michael Heise. Die vereinbarte Lohnsteigerung dürfte als „Produktivitätspeitsche“ wirken. Die Unternehmen dürften ihre Rationalisierungsbemühungen fortsetzen.

Die Commerzbank geht davon aus, dass trotz des Lohnzuwachses in der Metall- und Elektroindustrie 2006 für die Gesamtwirtschaft nur mit einem Tariflohnanstieg von etwa 1,25 Prozent auszugehen ist. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte würden damit um rund 1,5 Prozent steigen. „Dies bedeutet nach Abzug der erwarteten Preissteigerung praktisch kaum mehr als eine Stagnation der Realeinkommen“, stellen die Experten fest. Deshalb würden auch die privaten Konsumausgaben in diesem Jahr real nicht zulegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%