Bundesbank-Chef stimmt auf höhere Leitzinsen ein
Weber warnt vor Inflationsrisiken

Bundesbankpräsident Axel Weber malt derzeit ein für seine Institution ungewöhnlich optimistisches Konjunkturbild. „Das konjunkturelle Umfeld und die mittelfristigen Perspektiven für die Wirtschaftsentwicklung sind zurzeit überaus positiv“, sagte Weber dem Handelsblatt. Die Märkte stimmt er auf höhere Leitzinsen ein.

FRANKFURT. Nach Ansicht des Bundesbankpräsidenten „besteht durchaus die begründete Hoffnung, dass sich in Deutschland die günstige konjunkturelle Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen wird“. Obwohl die gute Konjunktur das Hauptszenario der Bundesbank ist, sieht Weber auch Risiken. So hätten sich die globalen Ungleichgewichte nicht nennenswert abgebaut, obwohl das Wirtschaftswachstum international inzwischen breiter verteilt sei.

Sehr aufmerksam beobachte die Bundesbank zudem die Entwicklung der „Carry Trades“ an den Devisenmärkten, bei denen Kredite in Ländern mit niedrigen Zinsen aufgenommen und in Regionen mit höheren Zinsen investiert werden. Sorge bereiteten auch die Immobilienmärkte, vor allem in den USA, aber auch in Teilen des Euro-Raums. Sie hätten eine sehr dynamische Phase hinter sich. Die aktuell schwächere Entwicklung dürfte noch einige Zeit anhalten.

„All diese Risiken zusammengenommen haben das Potenzial, dass es an den Finanzmärkten zu erhöhten Volatilitäten kommen könnte“, sagte der Bundesbankpräsident. Sollte der Konjunkturzyklus drehen, müssten die Finanzmärkte auch in einem etwas weniger günstigen Umfeld ihre Robustheit unter Beweis stellen.

Das sei eine Herausforderung, insbesondere weil einige neue Instrumente und auch neue Akteure an diesen Märkten noch keinen vollen Kredit- beziehungsweise Konjunkturzyklus gesehen hätten. „Wir wissen zum Beispiel nicht, wie sich einige der derivativen Instrumente in einem weniger günstigen Marktumfeld verhalten“, erklärte Weber. Er appellierte an die Finanzmarktakteure, „sich für den Fall eines weniger günstigen Umfelds der Robustheit ihrer Positionen zu vergewissern und Vorsicht walten zu lassen. Eine angemessene Risikovorsorge in guten Zeiten ist von zentraler Bedeutung.“

Weber kritisierte, dass an den Finanzmärkten derzeit viele Risiken nicht adäquat bewertet seien und „hier eine Gelassenheit an den Tag gelegt wird, die in einem weniger günstigen Umfeld kontraproduktiv sein könnte“. Ein möglicher Umschwung an den Finanzmärkten könne plötzlich erfolgen, und er könne die konjunkturelle Entwicklung belasten. Weber stellte indessen klar, dass es ihm fern liege, „den Teufel an die Wand zu malen“. „Wir wollen aber sicher sein, dass die Finanzmärkte auch unter deutlich ungünstigeren Bedingungen ihre Stabilität bewahren“, sagte er.

Vor dem Hintergrund der noch boomenden Konjunktur müssen sich die Finanzmärkte Weber zufolge über den Juni hinaus auf weiter anziehende Leitzinsen im Euro-Raum einstellen. „Ich glaube, dass wir im jetzigen wirtschaftlichen Umfeld geldpolitisch noch keine Entwarnung geben können“, sagte er. „Mittelfristig bestehen Preisrisiken, und denen müssen wir entgegentreten.“ Eine Anhebung des Leitzinses von 3,75 auf vier Prozent im Juni hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, vergangene Woche in Aussicht gestellt. Dieser Zinsschritt ist am Geldmarkt bereits in den Preisen enthalten.

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