Bundesbank
Es drohen weitere Milliardenabschreibungen

Die Bundesbank geht davon aus, dass die deutschen Banken die Finanzkrise noch keinesfalls hinter sich haben. In einem aktuellen Bericht nennt die Notenbank auch die ungefähre Größenordnung der in den Bankbilanzen schlummernden Belastungen. EZB-Chef Trichet warnte die Banken unterdessen vor der Rückkehr zu hohen Bonuszahlungen.
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HB FRANKFURT/AMSTERDAM. Wie die deutsche Notenbank am Mittwoch mitteilte, belaufen sich die drohenden Belastungen nach ihren Berechnungen bis Ende kommenden Jahres noch auf bis zu 90 Milliarden Euro. Der Löwenanteil dieser Summe entfällt laut Bundesbank auf Abschreibungen auf Buchkredite. Hier schätzen die Frankfurter Notenbanker den Wertberichtigungsbedarf in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht auf 50 bis 75 Milliarden Euro – abhängig vom weiteren Konjunkturverlauf. Zu einer ähnlichen Einschätzung war auch der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, gekommen. Er geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Bankenverluste noch gar nicht aufgedeckt sind.

Die Verluste der Banken aus Verbriefungen von Krediten – einer Praxis, die durch die Finanzkrise besonders in Verruf geraten ist – dürften nach Meinung der Bundesbank zwar ihren Höhepunkt überschritten haben. Dennoch ergebe sich bis Ende 2010 ein Wertberichtigungsbedarf von zehn bis 15 Milliarden Euro.

Die Notenbank betonte zugleich, dass die Verluste und Abschreibungen der Banken bei stärkerer konjunktureller Erholung auch niedriger ausfallen könnten. Im bisherigen Verlauf der Krise habe die deutsche Finanzwirtschaft bereits Verluste aus Verbriefungsgeschäften von mehr als 90 Milliarden Euro und aus Buchkrediten von knapp 40 Milliarden Euro verkraften müssen, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Hans-Helmut Kotz.

Er warnte bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts zugleich davor, die Finanzkrise trotz der spürbaren Erholung der Finanzmärkte und einer guten Gewinnsituation vieler Banken zu den Akten zu legen. „Die Finanz- und die damit unmittelbar verknüpfte Wirtschaftskrise können keineswegs als überwunden angesehen werden“. Zwar hätten die deutschen Banken ihre Bilanzsummen in den vergangenen Monaten bereits spürbar konsolidiert und ihre Ausstattung mit Eigenkapital verbessert. Weitere Anstrengungen müssten jedoch folgen. „Das deutsche Bankensystem sollte die gegenwärtig günstige Phase nutzen, um weitere Risikovorsorge zu treffen und die Kapitalpolster aufzustocken“, sagte Kotz, der bei der Bundesbank für das Ressort Finanzstabilität verantwortlich ist. Dies sei „unerlässlich“, um eine Kreditklemme in Folge eines massiv sinkenden Kreditangebots dauerhaft zu verhindern.

Zudem habe das Bankensystem nach der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten noch keineswegs seine alte Stärke wiedergewonnen. „Eine ausreichende Risikotragfähigkeit der Finanzinstitute und die volle Funktionsfähigkeit der Märkte sind derzeit noch nicht wiederhergestellt“, heißt es in dem Bericht. Deutschland gehört zu den besonders hart von der Krise getroffenen Ländern: Unter anderem musste die Nummer zwei unter den Großbanken, die Commerzbank, teilverstaatlicht werden; der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate wurde sogar komplett verstaatlicht. Außerdem leidet der Landesbankensektor nach wie vor unter der Krise. Unter anderem bekommt die WestLB weitere Milliarden vom Staat.

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Kommentare zu " Bundesbank: Es drohen weitere Milliardenabschreibungen"

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  • @backermeisterbullerjahn

    inflation = Geldmengenwachstum - Wirtschaftswachstum
    Wer Preisstabilität will, braucht nur die Geldmenge immer an die Wirtschaftsentwicklung koppeln, sobald der Zins ins Spiele kommt, wächst die Geldmenge aber per se. :) wir befinden uns nun in der steilen Phase der Exponentialfunktion des ZinsesZins.
    Aber Sie haben recht, das Horten von Tauschmittel ist ein Problem und muss verhindert werden durch einen Wertverfall des Tauschmittels. Viele Regionalwährungen machen es vor.

  • @backermeisterbullerjahn

    inflation = Geldmengenwachstum - Wirtschaftswachstum
    Wer Preisstabilität will, braucht nur die Geldmenge immer an die Wirtschaftsentwicklung koppeln, sobald der Zins ins Spiele kommt, wächst die Geldmenge aber per se. :) wir befinden uns nun in der steilen Phase der Exponentialfunktion des ZinsesZins.
    Aber Sie haben recht, das Horten von Tauschmittel ist ein Problem und muss verhindert werden durch einen Wertverfall des Tauschmittels. Viele Regionalwährungen machen es vor.

  • @ Rüdi
    Meinen Sie wir sollten ein inflation etablieren, die etwas über dem Zins auf Sparkonten liegt? Der Sparer, dersein Geld dem Kreislauf entzieht, würde damit mit Wertverlust bestraft?
    Ja aber wie kann dann der Verleih von Geldern an diejenigen, die eine lukrative und revolutionäre idee haben, für den Anleger lukrativ sein?
    Nach dem ersten Weltkrieg gab es in Wörgl (Tirol) eine derartige Regelung, die Geld bei der bank bestrafte. Da diese sich nicht durchgesetzt hat, dürfte sie wohl nicht sehr sinnvoll gewesen sein.

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