Business-Monitor International
Deutschlands Old Economy floriert

Die deutsche Wirtschaft boomt wie lange nicht mehr. Auch der Handelsblatt Business-Monitor zeigt: Die Laune der Unternehmer ist prächtig. Andere Länder Europas suchen dagegen noch den Anschluss. Sogar Musterknabe Großbritannien plagen Sorgen. Ein Überblick zur Lage der Nationen.

Deutschland im Frühsommer 2007 – die Nation ist nicht wiederzuerkennen. Landauf, landab kämpfen Fabriken nicht für Aufträge, sondern gegen Flaschenhälse. Maschinenbauer klagen über Materialknappheit und Kapazitätsengpässe. Es fehlt an Reifen, an Wälzlagern, an Hydraulikpumpen oder Kurbelwellen. Solche Engpässe, sagen Experten, musste die hiesige Industrie zuletzt zu Zeiten der deutschen Wiedervereinigung bewältigen. Damals sorgte der Nachholbedarf Ostdeutschlands für eine Auftragsflut im verarbeitenden Gewerbe. Heute explodiert die Nachfrage nach Investitionsgütern, weil der langjährige Exportboom der deutschen Wirtschaft eine sich selbst verstärkende Investitionskonjunktur auf dem heimischen Markt ausgelöst hat. Sie boomt wieder, die Old Economy.

Nicht nur Zulieferteile werden knapp – sondern auch und vor allem hochqualifizierte Mitarbeiter. Fachkräfte werden genauso dringend gesucht wie Akademiker. Diskussionen über Gehaltsgrenzen für Zuwanderer haben Debatten über steigende Arbeitslosenquoten abgelöst.

Die Arbeitslosigkeit sinkt und sinkt – und das überraschend schnell. Im Juni waren 3,6 Millionen Menschen ohne Job – so wenige wie zuletzt vor sechs Jahren. Im Jahresdurchschnitt wird die Zahl der Beschäftigten um 1,2 Prozent steigen, schätzt die OECD. Zum Vergleich: Von 1994 bis 2004 legte sie um 0,4 Prozent zu. An einer Hand lassen sich die Städte abzählen, in denen die Arbeitslosenquote steigt – im Rest der Republik fällt sie, meist zweistellig.

Die Folge: Sogar der private Konsum dürfte in diesem Jahr, dem Jahr der saftigen Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozentpunkte, zulegen.

Die deutsche Wirtschaft boomt wie lange nicht mehr. Im laufenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt um mehr als drei Prozent zulegen, sagen Optimisten, um knapp 2,5 Prozent schätzen Pessimisten. Die OECD rechnet mit 2,8 Prozent. Im kommenden Jahr, erwartet die Pariser Organisation, dürfte das Wirtschaftswachstum zwar an Tempo verlieren, aber nur unwesentlich. Die OECD prognostiziert ein Plus von 2,5 Prozent.

Die saftigen Steuereinnahmen schlagen sich auch im Bundeshaushalt nieder: Finanzminister Peer Steinbrück rechnet mittlerweile damit, dass die gesamtstaatliche Defizitquote in diesem Jahr noch 0,5 Prozent betragen wird. Im vergangenen Jahr lag die Defizitquote mit 1,6 Prozent noch deutlich höher.

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