Euphorische Stimmung
Die drohende Abkühlung kann deutsche Manager nicht schrecken

So viel Zufriedenheit war lange nicht: Die Wirtschaftselite in Deutschland beurteilt ihre Geschäfte im In- und Ausland überaus positiv. Das zeigt der Handelsblatt Business-Monitor, eine repräsentative und exklusive Umfrage im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. unter knapp 800 Spitzenmanagern.
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FRANKFURT. Gestützt wurden die Umfrage-Ergebnisse am Montag vom Herzstück der deutschen Wirtschaft, den Maschinen- und Anlagenbauern: Der Branchenverband VDMA verdoppelte seine Prognose für das Produktionswachstum für 2010 auf sechs Prozent.

Branchenübergreifend nennt eine breite Mehrheit von 90 Prozent der vom Marktforschungsinstitut Psephos befragten Manager ihre Geschäfte auf dem Heimatmarkt "gut" oder "eher gut". Das Auslandsgeschäft beurteilen sie ähnlich positiv: 86 Prozent der im Export tätigen Unternehmen geben an, es laufe "gut" oder "eher gut". Etwas mehr als die Hälfte rechnet damit, dass sich daran in den kommenden zwölf Monaten nichts ändern wird. Und weitere 40 Prozent erwarten sogar, dass sie ihr Exportgeschäft steigern werden. Insbesondere Großunternehmen gehen davon aus.

"Der Aufschwung wird nun von immer mehr Ländern getragen", sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. Die stärksten Impulse kämen von amerikanischen und asiatischen Ländern. Das stützt die deutsche Wirtschaft: Im Juli lag die Kapazitätsauslastung im Maschinen- und Anlagenbau laut VDMA im Schnitt bei 82,9 Prozent - gegenüber 69,2 Prozent vor einem Jahr.

Der Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Roland Döhrn, warnt dennoch vor zu viel Euphorie: "Angesichts der auslaufenden Konjunkturprogramme und des internationalen Konsolidierungskurses erwarte ich eine nachlassende Dynamik."

Es mehren sich die Zeichen, dass die Konjunktur sich bald wieder abkühlt. So sanken die ZEW-Konjunkturerwartungen für das nächste Halbjahr im September auf minus 4,3 Punkte von plus 14 Zählern im Vormonat. Das war bereits der fünfte Rückgang in Folge, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter rund 300 professionellen Anlegern und Analysten mit.

Die Spitzenmanager lassen sich davon nicht schrecken. Das lässt sich auch an ihren konkreten Plänen ablesen: Sie wollen laut Business-Monitor in den kommenden zwölf Monaten mehr investieren und mehr Beschäftigte einstellen als zuletzt. 43 Prozent planen, ihre Investitionen zu erhöhen, nur sieben Prozent wollen sie zurückzuschrauben.

"Es spricht viel dafür, dass die Unternehmen vor allem in Ausrüstungen investieren werden", sagt der Chefvolkswirt der Deutschen Industriebank IKB, Kurt Demmer. Das wäre eine Fortsetzung des Anstiegs im zweiten Quartal. In der schlimmsten Phase der Krise sei der kontinuierliche Verbesserungs- und Erneuerungsprozess ins Stocken geraten. "Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, müssen die Unternehmen wieder in ihre Technologien und Maschinen investieren", sagt er. Für Demmers These spricht, dass der Anteil der für den Handelsblatt Business-Monitor Befragten, die investieren wollen, unter den Metallerzeugern, den Maschinenbauern und Autoherstellern mit 52 Prozent überdurchschnittlich hoch ist.

Auch die Einstellungsbereitschaft dieser Wirtschaftsbereiche fällt höher aus als im Schnitt: Während insgesamt 31 Prozent der Manager angeben, dass sie in den kommenden zwölf Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen, haben das im verarbeitenden Gewerbe mehr als 40 Prozent vor. Verringern wollen dagegen insgesamt nur zwölf, in der Industrie nicht einmal zehn Prozent der Manager.

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  • Das wunschdenken der Manager wird wohl bald zerplatzen wie eine Seifenblase. Es ist ja fast schon lächerlich, wenn diese Leute die grundlegenden fakten ignorieren und scheinbar tatsächlich meinen, die Party ginge ungestört weiter. Auch vor 2 Jahren wollten sie weismachen, wie unglaublich gut der Exportmotor angeblich brummt und welche riesenbäume sie ausreißen. Auch damals wollten sie es nicht wahrhaben, daß der einbruch unmittelbar bevorstand, um einpaar Wochen später "Konjunkturpakete" zu verlangen. Wir werden sehen wie es diesmal ausgeht.

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