Handelsblatt Business-Monitor
Teures Öl schadet Firmen kaum

„Hohe Ölpreise belasten die Wirtschaft“, lautet eine Formel. Ihr lässt sich kaum widersprechen, doch das Ausmaß ist für die Unternehmen geringer als gemeinhin gedacht. Das zeigt die Handelsblatt-Umfrage von Führungskräften der Wirtschaft in sechs europäischen Industrienationen.

DÜSSELDORF. Mehr Effizienz im Umgang mit dem teuren Rohstoff, eine größere Nachfrage der Ölförderländer und die gute Konjunktur stimmen die Unternehmen recht gelassen.

Eine Mehrheit von 58 Prozent der Firmen gibt an, schwach oder gar nicht unter dem hohen Ölpreis zu leiden. Ein Barrel (159 Liter) für in Europa maßgebliche Sorte Brent kostet heute mit knapp 70 Dollar ein Viertel mehr als vor einem Jahr. Zwar steigen die Klagen über die teure Energie, wie Vergleichszahlen aus vier der sechs Länder zeigen. Aktuell sehen 37 Prozent der Firmen den Ölpreis als Belastung. Vor zwei Jahren waren es drei Prozentpunkte weniger. Berücksichtigt man allerdings, dass sich der Ölpreis seitdem verdoppelte, dann ist bemerkenswert, wie wenig die Sorgen zunehmen – in Deutschland am geringsten.

Volkswirte und Analysten an den Finanzmärkten konstatieren immer geringe Wechselwirkungen zwischen Ölpreisen und Konjunktur. „Die Unternehmen gehen sparsamer mit dem Rohstoff um, weil sie neue Techniken mit modernen Produktionsanlagen einsetzen. Deshalb sinkt die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Öl“, sagt Stefan Bielmeier, Volkswirt der Deutschen Bank.

Erwartungsgemäß beklagen im produzierenden Gewerbe mit 47 Prozent die meisten Firmen die Ölpreise. Schließlich ist hier der Verbrauch am größten. Doch selbst in diesem Sektor sieht sich die Hälfte (49 Prozent) kaum betroffen. Ursache dürfte auch die steigende Nachfrage aus den Ölförderländern sein. Diese investieren ihr Kapital nicht mehr wie früher nur in Anleihen und Aktien. Vielmehr kaufen sie Investitionsgüter. Davon profitiert Deutschland als Exportland Nummer eins mit seinem Maschinenbau und die Elektroindustrie. So legten 2005 deutsche Exporte in den Iran trotz des Streits über das Atomprogramm um gut 20 Prozent zu. Insgesamt wuchsen die deutschen Ausfuhren in den Nahen Osten stärker als in alle anderen Regionen der Welt. „Bleiben die Ölpreise hoch, werden die Aufträge weiter rasant zulegen“, erwartet Chefvolkswirt Ulrich Scheinost vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie.

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