Historisch niedrige Zinsen können Investitionsstau nicht auflösen
Firmen fragen immer weniger Kredite nach

Die deutschen Unternehmen halten sich trotz niedriger Zinsen und guter Gewinne mit Investitionen weiter sehr zurück.

noh/pbs FRANKFURT/DÜSSELDORF. Das zeigt der aktuelle Handelsblatt Business-Monitor, eine repräsentative Umfrage des Hamburger Meinungsforschungsinstituts Psephos unter 845 deutschen Top-Managern. Nur 26 Prozent der Führungskräfte wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr investieren, in der März-Umfrage lag der Anteil marginal höher bei 27 Prozent. Knapp 60 Prozent der Befragten wollen ihre Investitionen konstant halten.

Dabei sind die Zinsen so günstig wie noch nie. Wie aus der Zinsstatistik der Bundesbank hervorgeht, sanken die durchschnittlichen Zinsen für Bankkredite von mehr als einer Million Euro und einer Laufzeit von über fünf Jahren im Februar auf das Rekordtief von 3,99 Prozent. Trotzdem fragten die Firmen immer weniger Kredite nach, die für Neuinvestitionen in aller Regel notwendig sind. Bis Februar setzte sich der rückläufige Trend unvermindert fort. Im übrigen Euro-Raum stieg das Kreditvolumen dagegen um acht Prozent.

Ben Funnell, Aktienstratege von Morgan Stanley, erklärt die deutsche Investitionszurückhaltung mit der hohen Kostenbasis. Mit neun Prozent liege die Eigenkapitalrendite deutscher Firmen deutlich unter dem historischen Höhepunkt, im übrigen Europa sei dieser schon erreicht. „Deshalb sprechen die Unternehmen immer noch von ihren Kostensenkungsplänen und nicht von Expansionsplänen“, berichtet Funnell. Es könne durchaus noch zwei Jahre dauern, bis die Unternehmen wieder mehr investierten.

Diese Einschätzung wird von der Psephos-Umfrage gestützt: 48 Prozent der befragten Manager erwarten, dass die Bedingungen in den kommenden zwölf Monaten gleich schlecht bleiben werden. Dieser Pessimismus leitet sich aus der ausgeprägten Unzufriedenheit der Manager mit den Rahmenbedingungen am heimischen Standort ab. Aus Sicht von knapp sechzig Prozent der Befragten sind diese Bedingungen weiterhin „eher schlecht“. Zehn Prozent halten sie sogar für schlecht.

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