Persönliches Ansehen des Kanzlers bei Top-Managern steigt wieder
Wirtschaft zollt Schröder Anerkennung

In den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft wird die Standfestigkeit von Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Festhalten am Reformkurs offenbar honoriert: 56 Prozent der Top-Manager in Deutschland bewerten seine Leistungen derzeit positiv. Das ist das Ergebnis des Handelsblatt Business-Monitors, einer repräsentativen Umfrage des Psephos-Instituts im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

BERLIN. Auf einer Notenskala von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht) kommt Schröder im September auf 3,4 – den besten Wert seit der Bundestagswahl vor zwei Jahren und nur noch knapp hinter CDU-Chefin Angela Merkel (3,3). Damit hat Schröder sein Ansehenstief vorerst hinter sich gelassen. Im August lag er noch bei 3,6, im Mai bei 3,9.

Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hat erneut gepunktet und wird im September mit der Note 3,1 bewertet (August: 3,2). Damit zieht er gleich mit dem bisherigen Favoriten im Kabinett, Außenminister Joschka Fischer. Schlecht läuft es dagegen für Oppositionschefin Angela Merkel: Sie fällt im September von 3,1 auf 3,3 zurück, was mit dem Strategiestreit innerhalb der Union zu tun haben dürfte.

Die CDU/CSU insgesamt verharrt bei 3,4. Damit hat die Union immer noch einen deutlichen Vorsprung gegenüber der Bundesregierung insgesamt: Diese kommt im September auf die Note 3,7. Das ist zwar etwas besser als im Vormonat (3,8), aber die deutliche Mehrheit von 60 Prozent ist nach wie vor unzufrieden. Die Wirtschaft hat auch Bundesfinanzminister Hans Eichel seine Abkehr vom Sparkurs noch nicht verziehen: Er verbessert sich zwar leicht auf 4,0 (August: 4,1), aber 76 Prozent halten ihn nach wie vor für eine Fehlbesetzung.

Schröders persönlicher Popularitätsgewinn ändert auch nichts daran, dass sich die Wirtschaftselite in ihrer überwältigenden Mehrzahl einen Regierungswechsel herbeiwünscht: Zur Hälfte der Legislaturperiode hoffen vier von fünf Befragten auf einen Machtwechsel bei der Bundestagswahl 2006. Auf die Frage, wer ihr Wunschkanzler wäre, nennen nur 16 Prozent Gerhard Schröder. CDU-Chefin Angela Merkel ist für immerhin 25 Prozent Favoritin, Hessens Ministerpräsident Roland Koch für 19 Prozent, der bayerische Regierungschef und CSU-Vorsitzende, Edmund Stoiber, ist mit mageren 13 Prozent Schlusslicht. Doch auch bei den Top-Managern ist der Anteil der „Nichtwähler“ hoch: 20 Prozent wissen auf die Frage nach ihrem Lieblingskanzlerkandidaten keine Antwort.

Die Hoffnung auf einen Regierungswechsel ist aber nicht in allen Branchen gleich ausgeprägt: Zahlreiche Freunde hat Rot-Grün offenbar in der Energiewirtschaft: Dort drückt der Koalition ein gutes Drittel die Daumen für 2006 – insgesamt sind es nur 13 Prozent. Ähnlich sieht es in der Immobilienwirtschaft aus, wo angesichts einer hohen Zahl von Unentschlossenen die Befürworter eines Regierungswechsels mit 47 Prozent sogar knapp in der Minderheit sind. Als Wunschkanzler nennen die Energie-Manager zu 40 Prozent Schröder, die Immobilien-Manager zu 35 Prozent. In der Automobilbranche ist dagegen die Vorliebe für den angeblichen „Autokanzler“ Schröder keineswegs besonders herzlich: Nur 14 Prozent setzen auf ihn ihre Hoffnung. Besonders groß ist die Sehnsucht nach einem Wechsel in Berlin bei den Konsumgüterherstellern (fünf Prozent gegen Regierungswechsel), in der Chemie- und der Grundstoffbranche (sechs Prozent) und im Bereich Elektro/High Tech (neun Prozent). Merkel hat als potenzielle Kanzlerkandidatin vor allem im Pharma- und Gesundheitssektor (42 Prozent) und bei den Versicherungen (41 Prozent) Unterstützer. Auch die Bauunternehmer finden Merkel gut: 38 Prozent wollen sie im Kanzleramt sehen, wobei aber auch Stoiber mit 26 Prozent dort viele Freunde hat. Koch wiederum führt mit 33 Prozent bei der Grundstoffindustrie, bei den Konsumgüterherstellern liegt er mit 31 Prozent mit Merkel gleichauf.

Große Sprünge bei der Verbesserung der Standortqualität erhoffen sich von einem Regierungswechsel indessen laut Umfrage die wenigsten: Nur 14 Prozent erwarten unter Schwarz-Gelb deutliche Verbesserungen. Dass gar nichts besser würde, glauben dagegen auch nur neun Prozent. Die weitaus meisten, 76 Prozent, gehen von moderaten Verbesserungen aus.

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