Deutsche Exportindustrie
Längste Auftragsflaute seit zehn Jahren

Den neunten Monat in Folge sind die deutschen Exporte zurückgegangen. Erstmals seit zwei Jahren hat die Industrie kaum Jobs geschaffen. Die Unternehmen beklagen außerdem den Kostenanstieg durch die gestiegenen Ölpreise.
  • 1

BerlinDie deutschen Exporteure leiden unter der weltweiten Konjunkturflaute: Die Industrie erhielt im März bereits den neunten Monat in Folge weniger Aufträge aus dem Ausland. Das ist die längste Durststrecke in den vergangenen zehn Jahren, teilte das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 500 Unternehmen mit. Wegen der nachlassenden Nachfrage gerät auch der Jobmotor ins Stottern. Gleichzeitig kämpfen die Unternehmen mit steigenden Kosten wegen höherer Ölpreise.

„Schwer zu schaffen macht den Betrieben neben den ausbleibenden Wachstumsimpulsen aus der Euro-Zone nun auch das schwächelnde China-Geschäft“, sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Das habe durch die anziehende Nachfrage aus den USA nicht kompensiert werden können. In China gibt es inzwischen Signale für einen Konjunkturfrühling: Dort liefen die Geschäfte der Industrie im März so gut wie seit knapp einem Jahr nicht mehr.

Düsterer sieht es in der Euro-Zone aus, in die 40 Prozent der deutschen Exporte gehen. „Zur anhaltenden Misere in den Peripherie-Ländern kommt nun auch die neuerliche Schwäche in Kernländern wie Deutschland und Frankreich hinzu“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel um 1,3 auf 47,7 Punkte und entfernte sich damit weiter von der 50-Punkte-Marke, ab der Wachstum signalisiert wird. Die Industrie habe sich im ersten Quartal als Wachstumsbremse erwiesen und dürfte ein Abgleiten der Währungsunion in eine Rezession nicht verhindert haben.

Die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum ist wegen der Wirtschafts- und Schuldenkrise inzwischen so hoch wie seit fast 15 Jahren nicht mehr. 17,134 Millionen Frauen und Männer waren im Februar ohne Job - 162.000 mehr als im Vormonat. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,8 Prozent. Höher war sie zuletzt im April 1997 mit 10,9 Prozent.

Wegen der Konjunkturflaute wird weltweit zurückhaltender investiert. Das spürt die deutsche Industrie besonders, weil sie Investitionsgüter wie Maschinen und Anlagen zu ihren Verkaufsschlagern zählt. Sie hielt sich deshalb mit Neueinstellungen wie schon im Februar stark zurück. „Der zweijährige Jobaufbau ist damit erst einmal zum Stillstand gekommen“, schrieben die Markit-Experten.

Der Einkaufsmanagerindex fiel wegen ausbleibender Aufträge um 1,8 auf 48,4 Punkte. Das Barometer rutschte damit zum ersten Mal in diesem Jahr unter die Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. Damit liegt es nun schon mehr als sechs Punkte unter dem Jahresdurchschnitt von 2011. Dass die Produktion trotz der sinkenden Nachfrage leicht gesteigert wurde, lag an den hohen Auftragsbeständen, die nun zügig abgearbeitet werden.

Die deutschen Unternehmen klagen ebenso wie ihre europäischen Nachbarn über steigende Kosten. „Die höheren Ölpreise sorgten für den stärksten Kostenanstieg seit acht Monaten“, sagte Markit-Ökonom Moore. Die Verkaufspreise wurden dagegen nur leicht angehoben. Etliche Firmen gewährten sogar Preisnachlässe, um das Geschäft anzukurbeln.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsche Exportindustrie: Längste Auftragsflaute seit zehn Jahren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das kommt davon wenn man blind Austeritaet und Steuererhoehungen verordnet und somit den "faulen" Sueden zu bestrafen versucht.
    Die Lutheranische Schulmaedchenrechnung wird ganz bestimmt nicht aufgehen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%