Deutsche Exportwirtschaft
Die fetten Jahre sind vorbei

Deutschland ist seit Jahren als Exportweltmeister bekannt. Damit könnte allerdings bald Schluss sein. Vor allem die Schuldenkrise in der EU sowie die sinkende Nachfrage in den Schwellenländern könnten zum Problem werden.
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Deutschland gilt als klassische Handelsnation. Kaum ein Land in der Welt ist auf empfindlichere Weise mit der globalen Wirtschaft verflochten. Dies stellt einen der wichtigsten Gründe dafür dar, warum die Deutschen seit dem Zweiten Weltkrieg in ihre handelspolitischen Strategien ein Maximum an Sicherheiten eingebaut haben. Es könnte aber sein, dass die Jahre der Zuwächse im Handel allmählich vorbei sind.

Eine Reihe ökonomischer Änderungen in Asien und in Europa deutet darauf hin, dass sich in den kommenden Jahren das Umfeld für den Außenhandel viel weniger erfreulich als bisher entwickelt. Gedrosseltes Wirtschaftswachstum und allgemein schwierigere Außenhandelsverhältnisse in den Schwellenländern sowie erzwungene Sparprogramme innerhalb der Euro-Zone führen dazu, dass sich vielerorts das Kaufvergnügen an deutschen Gütern zurückbildet. Die Deutschen und ihre Exporteure wären gut beraten, sich bereits jetzt auf diese Wende einzustellen. Vielleicht leitet die Tempoänderung in der Weltwirtschaft eine Phase ein, in der eine Zunahme der internen Nachfrage zum Hauptimpuls des deutschen Konjunkturmotors wird. Dies wäre nicht nur ein Segen für andere Volkswirtschaften in Europa, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach die wichtigste Voraussetzung für das nachhaltige Überleben der Währungsunion.

Deutschland wird oft als das Land angesehen, das am meisten von der europäischen Integration profitiert. Aber der Außenhandel mit den Europäern allein hätte nie ausgereicht, um die Deutschen zufriedenzustellen und deren Ansprüche auf wirtschaftliche Sicherheit zu erfüllen.

Die Geschichte hat es gezeigt: Gerade die Zeiten, in denen sich Deutschland industriepolitisch in Europa gut aufstellt und anderen die Stirn bietet, sind die Augenblicke maximaler Verwundbarkeit. Gerade dann kann der deutsche Export zum Opfer rückläufiger Entwicklungen werden. Aus diesem Grund steht Deutschland seit Jahrzehnten bei seinen handelspolitischen Beziehungen auf zwei Beinen. Die inner- wie außereuropäische Ausfuhr wird gleichermaßen gefördert.

Ein in seiner Nützlichkeit kaum zu übertreffendes Instrument dazu ist (zumindest bisher) der Euro. Seine Wirkung entfaltet er auf grandiose, aber unterschiedliche Art auf die beiden Pole des deutschen Außenhandels. Innerhalb des Währungsverbundes schützt das gemeinsame Geld die deutsche Industrie vor der Gefahr destabilisierender Abwertungen der Partnerländer. Jenseits der europäischen Grenzen fallen die Euro-Vorteile mit hoher Wucht ebenso beachtlich ins Gewicht. Denn die durch südländische Probleme verursachte relativ niedrige Außenbewertung des Euros, gemessen am theoretischen Wert der alten D-Mark, untermauert die Antriebskräfte des deutschen Exports auf Wachstumsmärkten in Asien, Afrika und Amerika.

Kommentare zu " Deutsche Exportwirtschaft: Die fetten Jahre sind vorbei"

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  • das unveränderte Bestehen der Eurozone

    Die Eurozone ist m. E. eine Missgeburt, die nicht überlebendsfähig ist. Erschwerend kommt eine sehr schlechte Erziehung hinzu. Man wird mit allen Mitteln, auch illegalen, versuchen diese Missgeburt am Leben zu erhalten.
    Das Fatale ist der explusionsartig steigende Schaden dieser Rettungsversuche.

    Deshalb wird auch kurzfristig betrachtet sowohl die Eurozone wie die EU und Europa unter diesen Rahmenbedingungen sich verändern.
    Leider nicht zum Besseren.

    Schönen Abend noch.

  • Und wiedermal ein undifferenziertes Hoch auf den Euro!

    Den Deutschen soll ein Schuldgefühl für ihren Exporterfolg eingeimpft werden. Sie "gefährden" damit die Währungsunion und Europa ganz generell. Sie sollen - nachdem sie ihren hart erarbeiteten Wohlstand durch astronomische Hilfspakete schon zu großen Teilen in die Peripherie transferieren durften - zukünftig weniger exportieren und die durch die rechtswidrige EZB-Politik erzeugte Inflation akzeptieren, damit die Schuldenmacher es sich auch bequem genug machen können.

    Erst wenn die Deutschen vollkommen enteignet sind sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind, werden diese "Paradeeuropäer" zufrieden sein.



  • Eine wirklich bemerkenswert besonnene und weitsichtige Analyse.

    Und eben doch nicht allumfassend.

    "Gedrosseltes Wirtschaftswachstum" und "schwierige Außenhandelsverhältnisse" sind noch nicht alles, was den Schwellenländern und damit dem deutschen Export blüht. Richtig spannend wird es erst, wenn das ausländische Kapital dort wieder abgezogen wird.

    Es soll also "die Zunahme der internen Nachfrage" zum "Hauptimpuls des deutschen Konjunkturmotors" werden. Ach ja? Ich werde mir jedenfalls keine Werkzeugmaschine ins Wohnzimmer stellen, und die kontinuierlich älter werdende Gesellschaft, die ihren Ruhestand mit derzeit noch überbewerteten Vermögenswerten finanzieren muss, wird wohl auch die Nachfrage nach hochpreisigen Automobilen nicht nach oben treiben. Die unpassende Demographie -- einerseits Segen wegen der ohnehin sinkenden Perspektiven für den Export, andererseits ein Fluch für die Binnennachfrage -- wird uns einen Strich durch die Rechnung machen.

    Abgesehen davon hat der Autor völlig Recht -- Teuerung empfängt uns mit offenen Armen, und das unveränderte Bestehen der Eurozone hängt davon ab, dass Deutschland sich so umgestaltet wie der Artikel vorschlägt -- was aber wegen der oben genannten Hürden nicht reicht und auch nicht mal eben stattfinden wird.

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