Duisenberg vs. Trichet
Der Kuhhandel von Brüssel

2. Mai 1998: Die EU-Staats- und Regierungschefs sind nach Brüssel gekommen, um den Euro und die Europäische Währungsunion zu feiern. Kurz vor dem Mittagessen bittet EU-Ratspräsident Tony Blair die Regierungschefs Frankreichs, der Niederlande und Deutschlands zu einem letzten Vorgespräch für die Ernennung des ersten Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Es endet im Desaster.

FRANKFURT. Der Grund: Blair präsentiert ein in Kenntnis französischer Interessen verfasstes Papier, dessen Inhalt erst drei Jahre später bekannt wurde. Es ist die Grundlage für eine Erklärung, die der niederländische Zentralbankgouverneur und Spitzenkandidat für den Chefposten der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, unterschreiben soll.

Wie im Vertrag von Maastricht vorgesehen, soll er für acht Jahre ernannt werden. Gleichzeitig soll sich Duisenberg aber verpflichten, bereits am 1. Januar 2002, sein Amt „freiwillig“ an einen Franzosen abzugeben. Für die Niederlande ist ein Ende der Amtszeit schon nach dreieinhalb Jahren, nicht akzeptabel. Es kommt zum Eklat.

Die Vorgeschichte: Duisenberg hatte seine Kandidatur für die EZB-Spitze bereits im Februar 1997 bekannt gegeben. Mit Ausnahme Frankreichs und Italiens hatten alle potenziellen Mitgliedstaaten der Währungsunion ihr Einverständnis gegeben, dass er der erste EZB-Präsident werden sollte. Neun Monate später, im November 1997, hatte dann aber Frankreich offiziell einen eigenen Kandidaten präsentiert: den Gouverneur der Banque de France, Jean-Claude Trichet.

Die Niederländer fühlten sich verprellt durch Frankreichs Gegenkandidaten. Bundeskanzler Helmut Kohl trat für Duisenberg und für einen „vernünftigen Kompromiss“ ein. Das Kanzleramt bemühte sich, hinter den Kulissen um eine Lösung – gemeinsam mit Blair und dem luxemburgischen Staatschef Jean-Claude Juncker.

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