Einkaufsmanager
Alle Zeichen stehen auf Rezession

„Die Daten sind so schlecht, dass sie vielleicht die EZB doch noch zu einem großen Zinsschritt bewegen können“ – mit diesen Worten kommentierte Holger Schmieding, Volkswirt bei der Bank of America, den dramatischen Stimmungseinbruch bei den Einkaufsmanagern in Europa, den das britische Marktforschungsinstitut Markit am Mittwoch verkündete.

DÜSSELDORF. Demnach sank die Stimmung der Einkaufsmanager in der Euro-Zone im November auf ein Rekordtief: Der Gesamtindex sank von 43,6 im Vormonat auf 38,9 Punkte. Dies ist der tiefste jemals gemessene Wert der Kennzahl. In der Erstschätzung wurde noch ein Wert von 39,7 Punkten ermittelt. Morgen entscheidet die EZB über ihren Leitzins; eine Zinssenkung zur Konjunkturstützung gilt als sicher.

Der Einkaufsmanager-Index gilt als guter Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung. An ihm lässt sich frühzeitig der Trend der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erkennen, da die Befragten einen guten Überblick über Auftragslage, Produktion, Preis und Beschäftigte haben. Ein Indexstand von über 50 signalisiert eine positive Entwicklung, Werte von unter 50 einen Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität.

In Deutschland und den anderen großen Euro-Volkswirtschaften trübte sich die Stimmung sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Servicesektor weiter ein. „Die Daten zeigen, dass Deutschland im Verlauf des vierten Quartals wegen des steilen Absturzes der Industrie noch tiefer in die Rezession abgeglitten ist“, sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Damit schrumpfe die deutsche Wirtschaft noch um einiges stärker als während des letzten Rekordrückgangs gegen Ende 2001. Ähnlich trist ist das Bild in Frankreich und Italien. Auch hier gaben die Indikatoren in beiden Wirtschaftsbereichen weiter nach und weisen auf eine anhaltende Rezession hin.

Hauptursache für den steilen Absturz in Europa sei der Rekordrückgang beim Neugeschäft gewesen. Sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor sei es zum jeweils höchsten Wachstums- und Auftragsminus der Umfragegeschichte gekommen. Die Auftragsbestände seien zum achten Mal hintereinander gesunken. Dies habe zu einem Rekordabbau von Arbeitsplätzen geführt. Nach Markit-Prognosen dürfte die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone im vierten Quartal „mindestens um 0,5 Prozent“ sinken.

Seit Beginn der Entlassungswelle vor fünf Monaten habe sich der Beschäftigungsabbau rasant beschleunigt. In der Industrie seien erneut mehr Stellen als im Servicesektor gestrichen worden. Rekordrückgänge bei der Beschäftigung habe es in Frankreich, Italien und Spanien gegeben. In Deutschland sei der Jobabbau so stark ausgefallen wie seit Februar 2004 nicht mehr.

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