Einschätzung der Postbank
EZB sollte angekündigte Zinsanhebung nicht verschieben

Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte ihre für September signalisierte Leitzinserhöhung nach Einschätzung der Postbank nicht verschieben.

dpa-afx BONN. Der Verzicht auf eine Anhebung der Leitzinsen wäre ein Eingeständnis der EZB, dass sie die Turbulenzen an den Finanzmärkten dramatischer betrachte, als sie dies bisher eingeräumt habe, schreibt Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel in einer Studie vom Mittwoch. Zudem würde die Notenbank mit einer Aussetzung signalisieren, dass sie der Inflationsbekämpfung im Zweifelsfall nicht die oberste Priorität einräume.

Aus Marktsicht könnte ein Verzicht auf die Zinserhöhung als eine Art "Versicherung" durch die Zentralbank verstanden werden, schreibt Bargel weiter. Notwendige Marktkorrekturen nach vorangegangenen Übertreibungsphasen würden geldpolitisch aufgefangen. Eine derartige Strategie der US-Notenbank ("Greenspan-Put") habe aber selbst den Keim für Blasen an den Vermögensmärkten gelegt. "Ein Aussetzen der Zinserhöhung würde das aktuelle Hauptproblem der Finanzmärkte - das gegenseitige Misstrauen der Marktteilnehmer - ohnehin nicht beseitigen." Genau dies sei aber der Hauptgrund für die verminderte Liquidität am Geldmarkt.

Die Postbank bekräftigt daher ihren Vorschlag, dass die EZB - wie zuletzt die US-Notenbank - die Inanspruchnahme der Spitzenrefinanzierungssätze verbilligen sollte. Sie sollte zum einen den Leitzins auf 4,25 Prozent anheben und damit ihren eingeschlagenen Zinserhöhungskurs "konsequent fortsetzen". Zum anderen könnte die Notenbank zugleich den Spitzenrefinanzierungssatz bei 5,0 Prozent belassen oder sogar auf 4,75 Prozent absenken. Entsprechend könnte sie auch den Einlagenzinssatz bei 3,0 Prozent belassen oder auf 2,75 Prozent reduzieren. Damit mache die Notenbank das Horten von Liquidität seitens der Kreditinstitute weniger attraktiv.

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