Ende nicht absehbar
Griechenlands Wirtschaft verkümmert weiter

Um über sechs Prozent ist die Wirtschaft in Griechenland im zweiten Quartal geschrumpft. So stark wie zuvor war der Absturz allerdings nicht mehr. Ab Freitag schaut sich die Troika die griechischen Finanzen genauer an.
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AthenDie Wirtschaft im pleitebedrohten Griechenland ist im zweiten Quartal um 6,3 Prozent geschrumpft. Dies teilte die griechische Statistikbehörde (Elstat) am Freitag auf Grundlage endgültiger Daten mit. Das ist zwar etwas besser als im Vergleich zu den vergangenen sechs Monaten, ein Ende der Rezession sei jedoch nicht absehbar, erklärten Analysten.

Im letzten Quartal 2011 war das BIP um 7,5 Prozent gesunken und im ersten Quartal 2012 um 6,5 Prozent. Der Absturz der Wirtschaft in dem Mittelmeerstaat hat sich damit das zweite Quartal in Folge abgeschwächt. Volkswirte gehen davon aus, dass das BIP im Durchschnitt um 7,0 Prozent im Jahresvergleich in diesem Jahr zurückgehen werde. Dies werde eintreten, wenn das neue harte Sparprogramm in Höhe von mehr als 11,5 Milliarden Euro greifen werde.

Einen Tag nach dem Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Aufkauf von Staatsanleihen aus Krisenstaaten hat für Griechenland zudem eine weitere entscheidende Phase im Kampf gegen seine hohen Schulden begonnen. Am Freitag trafen die Spitzen der sogenannten Troika in Athen ein. Sie sollen als Bedingung für weitere Hilfszahlungen die Finanzen des schon mehrfach vor der Pleite geretteten Landes unter die Lupe nehmen.

Auch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy reiste am Freitag nach Athen, am späteren Nachmittag sollte er mit dem griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras zusammenkommen. Die Troika der internationalen Gläubiger Griechenlands hielt sich mit Angaben zu ihrem Arbeitsprogramm hingegen wie üblich zurück. Bekannt wurde aber ein geplantes Treffen mit Finanzminister Giannis Stournaras am Sonntag. Wann die Experten von Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) Samaras treffen, blieb zunächst offen.

Die Kontrolleure haben entscheidenden Einfluss auf die finanzielle Zukunft Griechenlands. Bei der Umsetzung der vereinbarten Reform- und Sparauflagen im Gegenzug für internationale Milliardenhilfen befindet sich Athen im Verzug. Wie groß die Versäumnisse sind, soll die Troika klären. Zudem prüfen die Experten das neue Sparpaket. Ihr Bericht ist die Grundlage für eine Entscheidung über weitere Hilfen.

Viele Griechen sind auf die Troika wegen der von ihr geforderten harten Sparpolitik im Land nicht gut zu sprechen. Erst am späten Donnerstag gingen in Athen tausende Polizisten, Feuerwehrleute und Mitglieder der Küstenwache aus Protest gegen neuerliche Gehaltskürzungen auf die Straße. Für Samstag riefen die griechischen Gewerkschaften zu einem Massenprotest in der zweitgrößten Stadt Thessaloniki auf.

Im Kampf gegen die Schuldenkrise in der Eurozone, von der auch Spanien und Italien hart getroffen sind, hatte die EZB am Donnerstag einen streng geregelten, aber unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen kriselnder Mitgliedsländer angekündigt. Griechenland ist von den internationalen Finanzmärkten derzeit abgeschnitten, Rom und Madrid ächzen hingegen unter hohen Zinsen auf Staatsanleihen.

Vor allem von der Bundesbank, aber auch aus den Reihen der schwarz-gelben Koalition in Berlin wurde der Schritt der EZB kritisiert. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte aber am Freitag in Stockholm, es handle sich dabei nicht um den Einstieg der EZB in die Staatsfinanzierung. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag in Madrid gesagt, die EZB handle im Rahmen ihres Mandats.

Kritiker bemängeln, die Zentralbank trage mit Anleihekäufen zur Finanzierung der Haushalte von Krisenstaaten bei, was ihr laut ihrem Mandat verboten ist. Die Börsen reagierten bis zum Freitag jedoch weltweit positiv auf den EZB-Beschluss. Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen fiel unter die wichtige Marke von sechs Prozent. Auch die Rendite auf italienische Anleihen sank leicht.

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn lobte die EZB-Entscheidung am Freitag als Schritt in die richtige Richtung. Durch den Beschluss hätten die Regierungen im Euroraum Zeit gewonnen, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Nun müssten die Staatshaushalte ins Gleichgewicht gebracht und für Wirtschaftswachstum gesorgt werden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Griechen kaufen zu wenig Produkte "made in Griechenland". Überspitzt gesagt, haben sich alle Griechen ins Nichtstun bewegt, um auf bessere Zeiten zu warten. Könige sind die, die einen der sehr zahlreichen Staatsjobs haben oder eine gute Rente erhalten. Davon gibt in Griechenland viele, da die griechische Politik sehr erfinderisch war, solche Strukturen zu erfinden. Ein Hand wäscht die andere und wer keine Beziehungen hat, ist selber schuld.

    Das Leben ist hart, aber Griechenland will es nicht hinnehmen, sondern sich ewig pampern lassen. Griechenland wird weiter gepampert werden. Ein totales Abrutschen wird es in der EU nicht geben. Das ist die gute Botschaft.

    Die schlechte Botschaft ist, dass die Spareinlagen in Euro in der EU regelrecht entwertet werden, da die Zinssätze sehr niedrig sind und die Inflation steigen wird. Der sparende Bürger mit "klassischem Sparbuch" und die vielen Rentner werden zu einem Beitrag indirekt gezwungen werden. Das Schreckliche ist, dass die Bankenwirtschaft Gewinne privatisieren dürfen und Verluste vom Steuerzahler getragen werden. Eine solche Möglichkeit existiert in der Realwirtschaft nicht. Das ist der Irrsinn und dieser Irrsinn wird teuer zu bezahlen sein. Politiker sind und waren hier überfordert Gesetze zu erlassen. Der Steuerzahler muss es "ausbügeln". Die Kostenexcesse und Fehlplanungen des Flugafens Berlins muss auch der Steuerzahler ausbügeln. Wer sonst ?

  • Samaras hat vor zwei Wochen in Berlin gesagt, dass er persönlich für die Rückzahlung aller Kredite einsteht - da wird uns der werte griechische Ministerpräsident doch nicht etwa (schon wieder) angelogen haben...?!?!


  • "Das griechische Wirtschaften"... 2001 fand der Schattenwirtschaftsfaktor eine positive Bewertung und Eingang in die Bilanzen, jetzt nehmen die gr Statistiker davon Abstand. Die jetzigen offiziellen Zahlen gelten wohl nur für Peifenraucher....
    Und dummen Gutmenschen in Alemania....

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