Enormer BIP-Schub
Deutsche Wirtschaft lässt Krise weit hinter sich

Der Deutschland-Boom ist ungebrochen: Konsum und Investitionen treiben die Wirtschaftsleistung wieder über das Vorkrisenniveau. Doch die Euro-Schuldenkrise könnte den Dauer-Aufschwung jäh stoppen.
  • 8

WiesbadenDie deutsche Wirtschaft ist mit enormem Schwung in das Jahr 2011 gestartet. Angetrieben von kräftigen Investitionen und staatlichen Konsumausgaben legte das Bruttoinlandsprodukt(BIP) im Vergleich zum Vorquartal real um 1,5 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Die Statistiker bestätigten damit ihre vorläufige Berechnung. Die Wirtschaftsleistung übertraf bereits wieder das Vorkrisenniveau von Anfang 2008.

Nach Überzeugung von Ökonomen wird sich das deutsche Wachstum im zweiten Quartal zwar verlangsamen, etwa wegen der schwelenden Staatsschuldenkrise in Griechenland und anderen Euroländern oder wegen der anziehenden Preise. Die Deutsche Bundesbank rechnet dennoch mit einem anhaltendem Boom.

„Nach diesen Zahlen bin ich sehr zuversichtlich, dass wir im zweiten Quartal keinen Einbruch bekommen“, sagte Rainer Sartoris von HSCB Trinkaus. Die Dynamik werde sicherlich „merklich“ nachlassen, weil die witterungsbedingten Nachholeffekte am Bau weitgehend im ersten Quartal stattgefunden hätten. „Aber der Aufschwung hat eine breite Basis“, erklärte der Ökonom. „Besonders die Ausrüstungsinvestitionen dürften das Wachstum weiter stützen“, ist sich Sartoris sicher. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Wachstum von mehr als drei Prozent.“

Auch Jörg Lüschow von der WestLB erwartet eine Abschwächung der Wachstumsdynamik in den nächsten Quartalen. „Die Wachstumsraten dürften aber immer noch über dem Potenzialwachstum liegen“, fügte er hinzu. Den Unternehmen gehe es gut, die Gewinne hätten sich verbessert. Das sei auch ein Grund dafür, dass die Ausrüstungsinvestitionen so stark gestiegen sind. „Deshalb dürften diese Ausgaben auch in Zukunft weiter zunehmen“, ist sicher der Ökonom sicher. Das sei gut für den Arbeitsmarkt. „Die Arbeitseinkommen werden künftig stärker zulegen, was dem privaten Konsum hilft“, so Lüschow.

Andreas Rees von der Unicredit sprach angesichts der Zahlen von einem robusten Aufschwung. Die Anzeichen für eine Verbreiterung seien unübersehbar. „!Die Binnennachfrage hat zwei Drittel des Wachstums getragen.“ Rees dämpfte zugleich den Konjunkturoptimismus und prophezeite, dass die Frühindikatoren nachgaben dürften. „Ab Herbst dürfte die Exportdynamik nachlassen und dann die deutsche Wirtschaft einen Gang zurückschalten“, so Rees.

Wie die Statistiker bestätigten, kamen die positive Impulse im ersten Vierteljahr vor allem von der Binnenwirtschaft: Insbesondere die Investitionen in Bauten (plus 6,2 Prozent) und in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge (plus 4,2 Prozent) zogen verglichen zum Schlussquartal 2010 kräftig an. Auch die staatlichen Konsumausgaben legten deutlich um 1,3 Prozent zu, während der private Konsum nur leicht um 0,4 Prozent stieg.

Auch die globale Konjunkturerholung wirkte sich positiv auf das deutsche Wachstum aus. Die Exporte stiegen Anfang 2011 gegenüber dem Vorquartal um 2,3 Prozent. Gleichzeitig wurden preis, saison- und kalenderbereinigt 1,5 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen importiert. Der daraus resultierende Außenbeitrag hatte nach den Angaben mit einem Wachstumsbeitrag von plus 0,5 Prozentpunkten einen geringeren Anteil am kräftigen BIP-Wachstum als die inländische Verwendung mit 1,0 Prozentpunkten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Enormer BIP-Schub: Deutsche Wirtschaft lässt Krise weit hinter sich"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ihr Beitrag ist durchaus interessant. Würden die Deutschen auf einer Insel der Glückseligen leben, völlig abgetrennt vom Rest der Welt, völlig unabhängig von Exporten in die Nachbarländer, China und den USA, würde ich Ihnen durchaus Recht geben. Blöd nur, wenn dann demnächst viele unserer lieben europäischen Nachbarn und die Amerikaner sich nicht mehr die tollen Produkte "Made in Germany" leisten können, weil sie erst mal sehen müssen, wie sie ihre Schulden abbezahlen und wie sie einen Job finden. Man muss die Realität und die Tatsachen völlig ignorieren, um das nicht zu sehen, dass es demnächst wieder mächtig knallt.
    Und wenn das eintrifft, platzt auch das Wunderkind China, welches momentan durch das weiterhin aufgeputschte künstliche Wirtschaftswachstum unsere Sachen abkauft. Aber das werden die schlauen Chinesen auch nicht mehr machen, wenn die Nachfrage wieder einbricht. Schließlich ist China auch nix anderes als der verlängerte Produktionsarm der Welt.

  • Ihr habt doch alle einen an der Klatsche! Geht arbeiten und tragt mal was zur Volkswirtschaft bei. Immer nur jammern und von anderen fordern. Überlegt mal, wie ihr dem Gemeinwohl etwas beitragen könnt!

  • In Anbetracht einer sich anbahnenden Kernschmelze Europas, einem absehbaren Zusammenbruch diverser Wirtschaften Europas durch die Schuldenkrise und einem darauf folgenden Super GAU im wirtschaftlichen und finanziellen Bereich wirken diese Jubelschreie ein bisschen skurril.
    Wie das letzte Aufbäumen eines tödlich verletzten Soladten, welcher darüber jubelt, dass er dem Gegner wenigstens ein Haar gekrümmt hat.
    Das todkranke, hochverschuldete (insolvente) und korrupte Europa und die USA werden fallen. Wie auch einst das Reich Alexander des Großen, das römische Reich, die Sowjetunion oder andere vor uns gefallen sind....und Europa wird in Flammen aufgehen. Noch sind die Proteste in Spanien eher ruhig. Noch. Denn die Situation wird sich nicht schnell verbessern und weiter ausarten. Und andere Länder werden folgen. Was kommen wird, ist eine Jasminrevolution im Euro-Raum, wenn noch weitere Probleme hinzukommen.

    Aber jetzt lasst uns erst mal weiter Party machen in Saus und Braus und die Korken knallen. Die Party auf dem Vulkan geht weiter und der Vulkan brodelt wieder. Noch nur auf Island....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%