EU-Wachstumspaket
Krisen-Killer verzweifelt gesucht

Die Politik tut sich schwer mit Maßnahmen zur Euro-Rettung. Noch herrscht Uneinigkeit über die Ausgestaltung eines Wachstumspakets. Dabei liegt auf der Hand, wie die Konjunktur stimuliert werden kann, sagen Ökonomen.
  • 16

BerlinDie Krise setzt den Euro-Rettern zu. Die Staats- und Regierungschefs werden täglich von neuen Hiobsbotschaften überrascht. Das Hickhack um Griechenland, die immer gefährlicher werdende Situation für das Euro-Schwergewicht Spanien oder verunsichernde Finanzexperten – die Hinweise verdichten sich, dass Europa immer tiefer in den Abwärtsstrudel gerissen werden könnte – mit unabsehbaren Folgen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

In diesen Zeiten wollen die Europäer die Wirtschafts- und Währungsunion vertiefen. Beim EU-Gipfel nächste Woche in Brüssel (28. und 29. Juni) wird sich dann zeigen, ob die Politiker bei diesem Projekt an einem Strang ziehen. Allerdings deutet sich schon bei einem zentralen Punkt Streit an. Es geht um das Schnüren eines Wachstumspakets, um auch und vor allem die Krisenländer konjunkturell wieder auf Trab zu bringen.

Frankreichs sozialistischer Präsident François Hollande fordert rund 120 Milliarden Euro als Wachstumsspritze für Europas Wirtschaft. Nach einem Bericht der Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche“ soll das Geld möglichst noch in diesem Jahr in Investitionen gesteckt werden. Diese Maßnahmen wolle Hollande unter anderem durch eine Finanztransaktionssteuer finanzieren. Parallel arbeitet auch die Bundesregierung an einem Wachstumspaket für die EU.  Details stehen in dem Papier „Mehr Wachstum für Europa: Beschäftigung - Investitionen – Innovationen“. Darin werden unter anderem Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit, verbesserte Bedingungen für Unternehmen und eine effizientere Nutzung von EU-Geldern aufgelistet.

Ein Thema kommt bei der verzweifelten Suche nach einem Wachstumsbringer allerdings eindeutig zu kurz. Darauf weist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hin. Laut DIW könnten sogenannte grüne Investitionen eingebettet in einem europäischen Wachstumspaket kurzfristig spürbare Beschäftigungsimpulse und mittel- bis langfristig positive fiskalische Effekte auslösen. Das geht aus einer Handelsblatt Online vorliegenden Untersuchung des Forschungsinstituts hervor. „Das jährliche Volumen der (…) grünen Investitionen würde gesamtwirtschaftliche Relevanz erreichen, es könnte die Größenordnung der Konjunkturpakete 2008/2009 sogar übersteigen“, heißt es in der Studie.  

Laut den Experten könnten „sehr viele“ Wirtschaftsbereiche von grünen Technologien und Maßnahmen profitieren. Das beginne mit den erneuerbaren Energien und einem angemessenen Netzausbau. Weiterhin seien Energieeffizienzmaßnahmen, beispielsweise im Gebäude-, Industrie- oder Transportbereich denkbar, aber auch die Umgestaltung der Transportinfrastruktur, hin zu mehr öffentlichen Verkehrsmitteln.

Seite 1:

Krisen-Killer verzweifelt gesucht

Seite 2:

Risiken grüner Investitionen

Kommentare zu " EU-Wachstumspaket: Krisen-Killer verzweifelt gesucht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ökonomischer Unsinn.

    Der Staat (Steuerzahler) soll also auf Pump Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs (weniger Verbrauch = weniger Steuereinnahmen) finanzieren.
    Es sollte klar sein das der geringere Verbrauch dann höher besteuert werden muß.

    Das für die Umwelt mehr Nutzen als Schaden entsteht ist auch noch nicht sicher (s. u.a. Wirkung des von Windkraftanlagen erzeugten Infraschalls bzw. Ökosprit > Palmölproduktion > Regenwaldabholzung).

    Insgesamt also eher die übliche pseudowissentschaftlich verpackte Subventionsbettelei.

    DIW - Deutsches Institut für Wirtschaftslobbyismus wäre übrigens treffender, vor kurzem hätte man es auch noch "Zimmermanns Propagandabude" nennen können.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Institut_f%C3%BCr_Wirtschaftsforschung#Kontroversen

  • Ameliegnom

    Sie sprechen mir aus der Seele: Schimmel über Schimmel!

    Auch das ist seit der ersten Wärmedämmverordnung politischer Unfug. Gebäude müssen vollklimatisiert werden: Wärme, Lüftung, Raumentfeuchtung bei Wärmerückgewinnung.
    Ich bin auch nicht der Meinung, daß wir neue Leitungsnetze aus Steuergeldern brauchen.

    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/99/2/

  • Bei den “guten Botschaften” des DIW kommt mir der Verdacht auf, dass es unsere Wirtschaft nicht so genau kennt, denn ohne Subventionen macht hier keiner etwas. Trotz leerer Kassen halten alle die Hand auf und da beginnt bei beschlossener Schuldenbremse für die Politik das Dilemma der Parteienfinanzierung. Die Wirtschaft kann jedoch auch ohne Subventionen angekurbelt werden, wenn man nur auf Nachhaltigkeit setzt.

    http://www.bps-niedenstein.de/content/view/195/2/

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%