Euro behindert das Neugeschäft der Unternehmen
Geschäfte der deutschen Industrie laufen schlecht

Der deutschen Industrie macht besonders die schwache Binnennachfrage und der starke Euro zu schaffen. Das ergab eine Umfrage unter rund 400 befragten Unternehmen.

Reuters BERLIN. Die Geschäfte der deutschen Industrie sind im Juni erneut schlechter gelaufen. Der Reuters-Einkaufsmanagerindex (EMI) signalisierte am Dienstag, dass den rund 400 befragen Unternehmen besonders die flaue Binnennachfrage und der starke Euro weiter schwer zu schaffen macht.

Der von der Forschungsgruppe NTC für Reuters ermittelte Einkaufsmanagerindex für Deutschland erholte sich mit 45,0 Zählern im Juni daher nur minimal von seinem 16-Monatstief im Mai von 44,8 Punkten. Der starke Euro habe den Firmen zwar Entlastung auf der Kostenseite gebracht, die Verkaufspreise seien wegen der Nachfrageflaute aber noch stärker zurückgegangen.

In einigen anderen Ländern der Euro-Zone entwickelte sich der Sektor NTC zufolge nicht ganz so schlecht. In Spanien, Griechenland und Österreich legte die Produktion immer noch geringfügig zu, allerdings wurden auch hier die Wachstumsraten des Vormonats nicht erreicht. Die größten Einbußen erlitten die Firmen in Irland, gefolgt von den Niederlanden und Deutschland. Der EMI für das Währungsgebiet sank auf 46,4 von 46,8 Punkten. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Anstieg des EMI für Deutschland auf 45,5 Punkte und für die Euro-Zone auf 47,4 Punkte prognostiziert

.

Zumindest von der Richtung fügte sich der Anstieg des EMI in Deutschland in die Reihe zuletzt gestiegener Frühindikatoren. Allerdings hatte sowohl beim Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) als auch beim Ifo-Index die Höhe des Anstiegs die Experten überrascht.

Die NTC-Umfrage zeichnete dagegen weiter ein düsteres Bild von der Lage der deutschen Industrie. „Wie berichtet wurde, war es erneut in allen Teilbereichen der Industrie schwierig, Neuaufträge zu gewinnen, auf den Auslandsmärkten ebenso wie im Inland.“ Der Teil-Index für die Aufträge signalisierte mit 42,5 Punkten (Mai 41,7) weiter einen deutlichen Rückgang des Neugeschäfts. Dabei berichteten die Befragten auch von Problemen, Anschlussaufträge zu erhalten. Wegen der schlechten Auftragslage versuchten die Unternehmen weiter ihre Produktion zu drosseln und die Lager zu verkleinern.

Die Euro-Stärke behinderte das Neugeschäft nach Angaben der befragten Unternehmer zusätzlich. Gleichzeitig führte die Aufwertung der Währung jedoch zu fallenden Einkaufspreisen und einer Stärkung der Kaufkraft. Trotzdem stünden die Gewinne der Unternehmen weiter unter Druck, denn die Einkaufspreise sanken weniger stark als die Verkaufspreise, teilte NTC weiter mit. Angesichts der schwierigen Lage bauten die Betriebe noch immer Personal ab.

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