Euro-Zone
Wirtschaft kehrt zu Wachstum zurück

In der Eurozone blicken die Einkaufsmanager zunehmend optimistisch auf die wirtschaftliche Lage: Das entsprechende Barometer steigt auf den höchsten Stand seit Ende 2007. Nur die deutschen Dienstleister klagen – und sinken in ein Drei-Monats-Tief.
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HB LONDON/BERLIN. Der Einkaufsmanagerindex sei von 51,1 Punkten im Vormonat auf 53,0 Punkte im Oktober gestiegen, teilte das Forschungsunternehmen Markit am Mittwoch in London mit. Damit bestätigte das Institut vorläufige Daten. Dies ist der höchste Stand der Kennzahl seit Dezember 2007.

Im Dienstleistungssektor stieg der Indikator von 50,9 Punkten auf 52,6 Punkte. Der Indikator für die Industrie kletterte nach Zahlen vom vergangenen Montag von 49,3 Punkten auf 50,7 Punkte. Damit liegt der Indikator erstmals seit vielen Monaten wieder über der Expansionsschwelle von 50 Punkten.

Ab einem Wert von 50 Punkten deuten die Indikatoren auf einen Anstieg der wirtschaftlichen Aktivität hin. Liegen die Kennzahlen unter diesem Wert, kann von einem Rückgang ausgegangen werden.

Der Aufschwung bei den deutschen Dienstleistern hat im Oktober an Tempo verloren. Die Firmen berichteten über eine gedämpfte Nachfrage und eine nur schleppend in Gang kommende Konjunktur, wie die Marktforscher von Markit zu ihrer Umfrage unter etwa 500 Firmen am Mittwoch mitteilten. Zugleich bewerteten sie ihre Aussichten nicht mehr ganz so optimistisch wie noch in den Vormonaten, wenngleich sich ihre Gewinnsituation leicht verbesserte.

Der deutsche Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister fiel auf 50,7 von 52,1 Zählern im September und lag damit nur noch knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Das Barometer signalisierte bereits den dritten Monat in Folge anziehende Geschäfte, diesmal sogar in allen sechs Service-Bereichen. Die Aufträge legten sogar so stark zu wie seit 15 Monaten nicht. „Zahlreiche Firmen gaben allerdings an, dass dies teilweise nur durch zusätzliche Preisnachlässe erreicht werden konnte“, schrieben die Forscher.

Angesichts der belebten Nachfrage bauten die Firmen unter dem Strich keine Stellen ab. Allerdings gab es kein einheitliches Bild: So fielen bei Hoteliers und Gastwirten sowie in der Transportbranche am häufigsten Arbeitsplätze weg, auch die Finanzbranche strich Jobs. Begründet wurde dies mit Überkapazitäten. Dagegen stellten die Firmen neue Mitarbeiter ein, die Expansionspläne hegten.

Die Aussichten für die kommenden zwölf Monate beurteilten die Firmen überwiegend optimistisch, wenn auch nicht mehr ganz so zuversichtlich wie in den vergangenen beiden Monaten. „Die Firmen mit positivem Ausblick gründen ihre Hoffnungen auf eine generelle Konjunkturbelebung, in deren Fahrwasser es ihnen auch gelingen sollte, weitere Neu- und Folgeaufträge an Land zu ziehen“, schrieben die Forscher. Zudem verbesserte sich die Gewinnsituation der Firmen per saldo erstmals seit zwei Jahren wieder, nachdem die Erträge zu Jahresbeginn eingebrochen waren. Rund 22 Prozent der befragten Manager berichteten von einer besseren Profitabilität als vor drei Monaten, 19 Prozent von einer schlechteren. Bei vielen Firmen litten die Margen aber unter den anhaltenden Preisnachlässen.

Die deutsche Wirtschaft hat sich im Frühjahr aus der Rezession gelöst, und Experten erwarten auch für die kommenden Monate eine spürbare Belebung. Die Europäische Kommission sieht Deutschland im kommenden Jahr mit einem Wachstum von 1,2 Prozent sogar als Zugpferd der Euro-Zone.

Die Dienstleister in der Euro-Zone haben ihre Geschäfte im Oktober so stark ausgeweitet wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Die Firmen profitierten dabei von einem anziehenden Neugeschäft, wie die Marktforscher von Markit am Mittwoch zu ihrer Umfrage unter etwa 2000 Unternehmen mitteilten. Zugleich gehen die Unternehmen auch in den kommenden zwölf Monaten von einer Geschäftsbelebung aus. „Die Rückkehr der Dienstleister zu Wachstum ist beruhigend, weil sie auf ein auf breiterer Basis stehendes und damit hoffentlich nachhaltigeres Wachstum in der Euro-Zone hinweist“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

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