Europäische Zentralbank
Kreditvergabe der Banken wächst langsam

Noch gibt es in Europa keine Kreditklemme, Unternehmen können sich noch Geld beschaffen, ohne die Hilfe des Staates in Anspruch zu nehmen. Dennoch ist die Kreditvergabe der Banken in den 16 Euro-Ländern im Juni so langsam gewachsen wie noch nie.

HB FRANKFURT. Die Summe der an Firmen und private Haushalte ausgereichten Darlehen wuchs im Juni nur noch 1,5 Prozent, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag mitteilte. Das ist das kleinste Plus seit Einführung der Statistik 1992. Im Mai waren es noch 1,8 Prozent.

Auch das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 ging zurück. Das Plus lag nur noch bei 3,5 Prozent nach 3,7 Prozent im Mai. Analysten hatten dies erwartet. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (April bis Juni) wuchs M3 mit einer Jahresrate von 4,1 Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Die Kreditvergabe im Euroraum steht nach Einschätzung der Commerzbank im Einklang mit der schwachen Realwirtschaft. Die Kreditdynamik folge der Konjunktur, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie des Bankhauses. Verschärfte Kreditrichtlinien bremsten allerdings etwas stärker. Die Kredite seien im Juni nur schwach gestiegen. Die nachlassende Dynamik sei immer noch zu einem großen Teil mit dem drastischen Rückgang der realwirtschaftlichen Aktivität zu erklären; aber auch zunehmend mit Angebotsfaktoren wie der Verschärfung von Kreditrichtlinien.

Das Geld- und Kreditwachstum in der Eurozone weist nach Einschätzung der Postbank weiterhin eine sehr gedämpfte Entwicklung auf. Damit dürfte Inflation für die Europäische Zentralbank (EZB) auf absehbare Zeit kein Thema sein, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie des Bankhauses.

Die Kreditsituation in Deutschland hat das Münchner Ifo-Institut unter die Lupfe genommen. Ergebnis: Die deutschen Industrieunternehmen kommen am schwierigsten bei privaten Geschäftsbanken und bei Landesbanken an Kredite. Genossenschaftsbanken und Sparkassen werden dagegen als weniger restriktiv bewertet, ergab die Befragung des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, die am Montag in München veröffentlicht wurde. Damit wollte das Institut ermitteln, ob der Banktyp Einfluss auf die Kreditfinanzierung der Firmen hat. Mehr als 1000 Firmen beteiligten sich an der Befragung.

Von den Kunden der Genossenschaftsbanken bewerteten 33 Prozent die Bereitschaft zur Kreditvergabe als restriktiv, bei den Sparkassen- Kunden waren es 41 Prozent und bei den Landes- und Geschäftsbanken- Kunden sogar 46 beziehungsweise 45 Prozent. Dies erkläre auch teilweise, warum große Unternehmen zurzeit unter einer besonders hohen Kredithürde leiden, erklärte das Institut: Große Unternehmen arbeiteten wesentlich häufiger mit privaten Geschäftsbanken zusammen als der Durchschnitt aller Unternehmen.

Aber auch die vergleichsweise schlechtere Geschäftslage großer Firmen erkläre die größeren Probleme bei der Kreditbeschaffung. 56,8 Prozent der großen Industrieunternehmen bezeichneten ihre aktuelle Geschäftslage bei der Umfrage als schlecht, der Durchschnittswert für alle Unternehmen lag bei 50,6 Prozent. Die Umfrage ergab jedoch auch, dass die privaten Geschäftsbanken auch bei Unternehmen, die ihre eigene Situation als gut bewerten, zurückhaltender Kredite vergeben als andere Banktypen.

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