EX-US-Finanzminister
Star-Ökonom Summers kritisiert deutschen Sparkurs

Larry Summers ist einer der prominentesten Wirtschaftspolitiker der USA. Im Handelsblatt-Interview schießt der Ex-Finanzminister scharf gegen die deutsche Regierung. Berlin müsse endlich seinen Sparkurs aufweichen.
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WashingtonDer frühere US-Finanzminister Larry Summers hat die Sparpolitik der deutschen Bundesregierung im Handelsblatt-Interview (Montagausgabe) scharf kritisiert. „Der deutsche Ansatz hat die Reformziele bisher nicht erreicht“, sagte der Ökonomie-Professor im Hinblick auf die von Berlin verfolgte Politik, durch Einsparungen in den nationalen Haushalten der EU-Staaten für neues Vertrauen zu sorgen.

Der Glaube, „dass man Schuldenprobleme nur dadurch lösen kann, dass man die Verschuldung einschränkt“, sei falsch, sagte Summers. Stattdessen müsse versucht werden, aus den Schulden herauszuwachsen. Schließlich sinke die Schuldenquote auch dann, wenn die Wirtschaft wachse. (Einen Themenschwerpunkt zu Deutschlands Rolle auf der IWF-Tagung in Washington finden Sie hier)

Um die Konjunkturschwäche zu überwinden, rief Summers rief die europäischen Regierungen zu schuldenfinanzierten Investitionen auf. Die Zeit dafür sei günstig: „Die Marktzinsen von etwa zwei Prozent für Spanien zeigen doch, dass es an den Kapitalmärkten eine große Bereitschaft gibt, Europa mehr Finanzmittel zur Verfügung zu stellen“, sagte der ehemalige Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama.

Die gesamtwirtschaftliche Rendite solcher Projekte sei mit Sicherheit größer als die Zinsen. „In dem Maße, in dem die Europäer solche Investitionen tätigen, verbessern sie ihre wirtschaftliche Lage“, sagte Summers. „Schulden sind also nicht immer schlecht.“

Das vollständige Interview mit Larry Summers finden Sie als Digitalpass-Kunde hier zum Download.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
Moritz Koch ist USA-Korrespondent.
Moritz Koch
Handelsblatt / USA - Korrespondent

Kommentare zu " EX-US-Finanzminister: Star-Ökonom Summers kritisiert deutschen Sparkurs"

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  • >> Der Glaube, „dass man Schuldenprobleme nur dadurch lösen kann, dass man die Verschuldung einschränkt“, sei falsch, sagte Summers.<<

    Und der Glaube, dass diese Regierung die Verschuldung eingeschränkt hat, ist aberwitzig !

    Das "Sparschweinchen im Wägelchen " hat die höchsten Schulden aus dem Deutschen Schuldentopf erzeugt !

    Er predigt nur den Schuldenabbau, macht aber Schulden sogar in Zeiten der höchster Steuereinnahmen.

    So verlogen kann nur ein charakterloser Eigennutzschmarotzer sein, wie die "Birne" ihn auch trefflich beschrieben hat !

  • Wachstum durch Schulden

    Kennen wir das nicht von irgendwo? Das war doch das Wirtschaftsmodell der Griechen. Und wohin hat das geführt? Klar, das Wirtschaftswachstum kann man mit Schulden leicht aufblähen. Doch irgendwann ist Zahltag.

    Griechenland hat nun eine moderne Infrastruktur - Autobahnen durchs ganze Land,eine supermoderne U-Bahn in Athen und olympische Sportstätten. Der Wirtschaft hat das wenig geholfen. Die Autobahnen an der Peripherie werden kaum genutzt, die Geschäfte in der Athener Innenstadt schließen trotz U-Bahn und für die Erhaltung der Sportstätten fehlt nun das Geld.

    Aus griechischen Tragödien kann man einiges lernen.

  • das CHATTERN nimmt kein ende, niemand weiß was sinnvolles und targfähiges unter den jetztigen voraussetzungen und einzementierungen. ich möchte "nur" wissen, was gewesen wäre, wenn
    1. der euro nicht eingeführt worden wäre
    2. wenn herr draghi nicht die zinsen gesenkt hätte.
    ja, was wäre dann gewesen? wie kommt man überhaupt wieder aus dieser "zinsfalle" raus?
    und noch was: nach lehman wurde getönt "etweder es gibt eine riesen-inflation mit ca. 7% jährlich oder eine deflation! gekommen ist aber die financial repression!
    ich möchte aber auch gern folgendes szenario sehen:
    1. mit euro / ohne euro
    2. häuserkauf in usa und den eu-südländern mit / ohne pump
    3. keine billigkredite für südländer (seit jahren)
    4. jeder zahlt in eu steuern (keine ausnahmen wie reeder)
    5. und, und, und
    eine "vernünftige simulation" zu obigen varianten.
    ergebnis???

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