Experten-Prognosen
Wall-Street-Analysten sind sich uneins

Aus Sicht zahlreicher Wall-Street-Analysten bleiben weite Teile der US-Wirtschaft von den Wirren der derzeitigen Kreditkrise verschont. Im Gegensatz zu dieser Einschätzung der Finanzexperten stehen mahnende Stimmen, die Nordamerika allmählich auf eine Rezession zusteuern sehen. Ökonomen aus ranghohen Institutionen rudern inzwischen ebenfalls zurück.

NEW YORK. Der Finanzdatenspezialist Thomson Financial, bei dem die Analystenprognosen in den USA zusammenlaufen, rechnet für das zweite Halbjahr 2007 noch immer mit deutlichen Gewinnzuwächsen in nahezu allen Branchen. Teilweise wurden die Prognosen in den vergangenen Wochen sogar noch angehoben - trotz aller Sorgen um ein Ausweiten des Hypotheken-Debakels.

Im Gegensatz zu dieser Einschätzung der Finanzexperten stehen mahnende Stimmen, die Nordamerika allmählich auf eine Rezession zusteuern sehen. So hat der Konzernchef des führenden Hypothekenfinanzierers Countrywide, Angelo Mozilo, in der Vorwoche gewarnt, eine Rezession sei kaum mehr zu vermeiden. Die Schuldenkrise wirke auf die Psyche der Amerikaner und werde sie "letztendlich auch am Geldbeutel treffen", sagte Mozilo dem US-Wirtschaftssender CNBC.

Ökonomen aus ranghohen Institutionen rudern inzwischen ebenfalls zurück. Das überparteiliche Haushaltsbüro des US-Kongresses (CBO) senkte seine Konjunktur-Wachstumsprognose für 2007 in der Vorwoche von 2,3 Prozent auf 2,1 Prozent ab. Die aktuelle Situation sei "sehr verschleiert und unsicher", sagte CBO-Direktor Peter Orszag. Auch Global Insight, ein Marktforscher aus Lexington im US-Bundesstaat Massachusetts, korrigierte seine Prognosen nach unten und erwartet nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent für 2007. Schon im dritten Quartal werde die Konjunktur merklich schwächer, schrieb Global-Insight-Ökonom Nigel Gault und verwies auf ein nachlassendes Produktivitätswachstum, auf hohe Ölpreise sowie "anhaltend schlechte Nachrichten aus dem Immobiliensektor".

Analysten sehen die Lage vergleichsweise entspannt und - mit Blick auf die Unternehmensgewinne - deutlich rosiger. Ihren Prognosen zufolge werden sich die Ergebnisse für die im Börsenindex S&P 500 abgebildeten US-Firmen im dritten Quartal um weitere 5,9 Prozent verbessern. Für das Gesamtjahr erwarten sie sogar ein Gewinnplus der größten US-Konzerne von 8,4 Prozent im Vergleich zu 2006. "Die Krise ist begrenzt und zu managen", sagte Michael Thompson, Research-Direktor von Thomson Financial, dem Handelsblatt: Aus seiner Sicht ist "die Reaktion auf das Problem schlimmer als das Problem selbst".

Bisher lässt die Mehrzahl der US-Konzerne in der Tat keine großen Bremsspuren erkennen. Industriezweige wie Technologie, Telekom und Gesundheit wiesen im ersten Quartal 2007 kerngesunde Wachstumsraten von mehr als zehn Prozent aus. Einziger Minusbereich: Der Sektor zyklische Konsumgüter, in dem die Gewinne sieben Prozent unter Vorjahr lagen. Diese Branche macht aktuell die meisten Sorgen: Nach den Gewinnwarnungen der Konsum-Riesen Wal-Mart und Home Depot sowie weiterer negativer Überraschungen im Handel (unter anderem in der Mode) rudern die Analysten hier auffällig zurück. Nachdem sie zu Jahresbeginn für die Sparte zyklischer Konsumgüter noch mit einem leichten Ergebnisplus im dritten Quartal gerechnet hatten, liegt die Prognose jetzt bei einem Minus von durchschnittlich sechs Prozent.

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