EZB
Die überforderte Supermacht

Die Euro-Krise hat den Einfluss der Europäischen Zentralbank enorm gestärkt. Doch Kritiker warnen, dass sich die EZB mit weiteren Aufgaben in der Bankenaufsicht endgültig übernimmt.
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FrankfurtMacht- und Risikozuwachs gehen meist Hand in Hand - niemand hat das in den letzten Wochen und Monaten in Europa so deutlich zu spüren bekommen wie die Europäische Zentralbank (EZB). Der anstehende Gipfel der EU-Staats- und -Regierungschefs in Brüssel wird dieses Dilemma der Zentralbanker noch deutlich verschärfen: Nun soll die EZB neben ihrer Rolle als Preishüter und Krisenfeuerwehr auch noch die oberste Bankenaufsicht in Europa übernehmen - eine Last, die sie Experten zufolge erdrücken könnte.

Denn schon jetzt hat die EZB enorme Lasten geschultert: Sie teilt den Banken unbegrenzt Liquidität zu und senkt dabei die Anforderungen an Sicherheiten. Außerdem kauft sie Anleihen schwacher Euro-Staaten auf. Ein Ausstieg aus dem Krisenmodus ist nicht in Sicht. "Geldpolitik und Bankenaufsicht aus einer Hand bedeuten einen neuen Interessenkonflikt. Die Risiken für die EZB werden weiter steigen", sagt EZB-Experte Ansgar Belke, Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

"Man leiht dann den gleichen Banken Geld, die man beaufsichtigen soll", kritisiert auch Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. Das verzerre die Zielfunktion der EZB und werfe neue Glaubwürdigkeitsfragen auf.

In der EZB werden indes die Vorteile der neuen Rolle betont: "Wir wollen das jetzt aufs Gleis setzen. Dann hat Europa endlich eine Bankenaufsicht aus einem Guss, die in Krisen durchgreifen kann", heißt es im Eurotower. Seit Jahren schon drängen die Währungshüter auf eine einheitliche Bankenaufsicht unter ihrem Dach - mit nachvollziehbaren Motiven: In der Finanzkrise musste die EZB immer wieder zum Löscheinsatz ausrücken, ohne zu wissen, wie stark es brannte und warum. EZB-Präsident Mario Draghi rügte zuletzt deutlich das spanische Institut Bankia für sein schlechtes Informations- und Krisenmanagement.

"Wir hätten mit der Aufsicht nicht nur den Wald, sondern die einzelnen Bäume im Blick und könnten Brände verhindern", heißt es in der EZB. "Die Zentralbank hätte das Know-how, könnte es bündeln und besser durchgreifen - das ist der Vorteil an der Sache", sagt auch Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert.

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Kommentare zu " EZB: Die überforderte Supermacht"

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  • Wie will die EZB als Bankenaufsicht eurozonenweit einheitliche Standards setzen, und vor allem durchhalten, wenn sie schon jetzt den nationalen Notenbanken überlässt, welche Art von "Sicherheiten" die annehmen?
    Da werden Zombiebanken durchgeschleppt ohne Ende, und immer mehr faule Forderungen aufgetürmt, ein korrumpiertes und bis ins Mark politisiertes System, das irgendwann unter seiner eigenen Last zusammenbricht.
    Nur leider brechen wir mit.
    Und ich - ich breche schon jetzt, wenn ich mir die ganze Euretterei anschaue!

  • Die EZB soll also künftig die Banken, die sie derzeit künstlich am Leben erhält, obwohl der Hirntot schon eingetreten ist, beaufsichtigen. Zum Totlachen. Das einzige, was die EZB in die Tradition der Bundesbank stellt, ist deren Sitz in Frankfurt.

    Ohne Euro wird keine EZB mehr nötig sein. Dann können die EZB-Beamten aber wenigstens in ihren schönen neuen Turm umziehen und wenigstens Banken überwachen.

    Wenn man sich die letzten Wochen so ansieht, scheint der totale Wettbewerb ausgebrochen, wer bei wem schnell noch in die Tasche greifen kann. Rote und Grüne nennen dieses Rennen "Solidarität". In Wirklichkeit ist es die Zerstörung unseres Staatswesens. Statt die Fanmeilen zu bevölkern, sollten die Menschen sich mal damit befassen, was hier mit ihrer Zukunft geschehen soll.

  • Als €-Kritiker bin ich weitgehend Ihrer Meineung.
    Aber müssen Sie wirklich diesen Textbaustein in die jeweilige Kommentarspalte zu (fast) jedem €-Artikel "reinknallen"?

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