EZB-Schattenrat
Mehrheit gegen Zinsschritt

Eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag würde nach Ansicht vieler Ökonomen die Gefahr einer starken Euro-Aufwertung erhöhen und die Konjunkturerholung im Euroraum aufs Spiel setzen.

FRANKFURT. Der EZB-Schattenrat empfiehlt der Notenbank daher mehrheitlich, den Leitzins bei 2,5 Prozent zu belassen. Der EZB-Schattenrat ist ein Expertengremium, dem achtzehn prominente europäische Ökonomen aus Banken, Forschungsinstituten und Hochschulen angehören. „Es wäre ein großer Fehler, wenn die EZB den Fall des Dollars ignorieren oder gar noch anheizen würde“, warnte Schattenrat Angel Ubide vom Hedge Fund Tudor Investment Corp.

Die Empfehlung des Schattenrats wurde allerdings nur mit knapper Mehrheit verabschiedet. Acht Mitglieder traten dafür ein, dass die EZB das Tempo der geldpolitischen Straffung erhöht. Die letzten beiden Zinserhöhungen hatte sie mit drei Monaten Abstand im Dezember und März beschlossen. Die meisten Marktteilnehmer erwarten aufgrund entsprechender Andeutungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet (siehe „Experten fordern Protokolle“), dass sie nach weiteren drei Monaten im Juni ihren Leitzins um einen Viertelpunkt auf dann 2,75 Prozent erhöhen wird.

Sicher ist der Markt sich seiner Sache allerdings nicht. Ein unerwartet hohes Geldmengenwachstum im März und eine ebenfalls unerwartet hohe Inflationsrate im April – beide Daten wurden am Freitag bekannt gegeben – erhöhten die Nervosität vieler Marktteilnehmer, ob die EZB nicht vielleicht doch bereits am Donnerstag handeln könnte. Nach Berechnungen der deutschen Bank zeigen die Terminsätze am Geldmarkt an, dass der Markt einer Zinserhöhung bereits am Donnerstag eine Wahrscheinlichkeit von gut 20 Prozent beimisst, einer Zinserhöhung spätestens Juni annähernd 100 Prozent.

Zunehmend rechnen Marktteilnehmer auch mit der Möglichkeit, dass die Notenbank im Juni von den bisherigen kleinen Viertelpunktschritten auf eine größere Zinserhöhung um einen halben Prozentpunkt umschalten könnte, um die möglicherweise durch Trichets Selbstbindung verursachte Verzögerung aufzuholen. Der Markt misst dem nach Berechnungen der Deutschen Bank eine Wahrscheinlichkeit von etwa 30 Prozent bei.

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