Fachkräftemangel
Ingenieurmangel wird noch dramatischer

Der deutschen Wirtschaft droht in der nächsten Boomphase ein gravierender Fachkräftemangel. Bis zum Jahr 2014 werden rund 220 000 Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker fehlen. Das geht aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

BERLIN . Mitten in der Krise klingt das Problem akademisch – doch in den nächsten Boomphasen wird der Fachkräftemangel wesentlich gravierender sein als gedacht. Bis zum Jahr 2014 werden der deutschen Wirtschaft rund 220 000 Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker fehlen.Das geht aus einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Wenn es bis dahin nicht gelingt, mehr Nachwuchs auszubilden, könnten die Lücke bis 2020 schon auf bis zu 425 000 anwachsen.

Noch im vergangenen Herbst hatte das IW eine Lücke von „nur“ 230 000 MINT-Fachkräften – also im Bereich Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik – für 2020 prognostiziert. Damals hatte das Institut allerdings lediglich Gesamt-Angebot und -Nachfrage gegenübergestellt. Die neue Studie für die Arbeitgeberverband Gesamtmetall hingegen, die an diesem Montag offiziell vorgestellt wird, ist nun differenzierter angelegt: „Hier wurde zusätzlich berücksichtigt, dass die MINT-Qualifikationen weder fachlich noch regional vollständig substituierbar sind – also ein zusätzlicher Biologieabsolvent nicht eine offene Stelle für Maschinenbauingenieure besetzen kann“, sagte Gesamtmetall-Gschäftsführer Michael Stahl dem Handelsblatt. „Diese 'bereinigte Lücke' fällt deutlich größer aus“. Zudem zeige sich, „dass wir mittelfristig vor allem auf einen Ingenieurmangel zulaufen“.

Weil in den nächsten Jahren die starken Jahrgänge der Nachkriegszeit in Rente gehen, brauchen nach der IW-Prognose die Unternehmen jährlich fast 37 000 Ingenieure, um diese zu ersetzen. Ab 2015 steigt der Ersatzbedarf dann auf jährlich 42 000 Ingenieure. Wegen des Wachstums und der Tendenz, dass für höherwertige Produkte auch ein immer größerer Anteil an hochqualifizierten Arbeitnehmern nötig ist, rechnet das IW darüber hinaus von einem „Expansionsbedarf“ von jährlich rund 35 000 Ingenieuren. Summa summarum ergibt sich daraus über die 12 Jahre ein Einstellungsbedarf von 890 000 Ingenieuren. Von den Hochschulen kommen jedoch pro Jahr derzeit nur rund 45 000 Ingenieure. Bei den übrigen MINT-Akademikern ist die Lücke nur knapp halb so groß: Bis 2020 fehlen aufsummiert rund 380 000 Naturwissenschaftler, Mathematiker und Informatiker. Die Nachfrage des Staates – etwa nach Lehrern im MINT-Bereich – ist hier noch gar nicht berücksichtigt.

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