Fed-Bericht
US-Konjunktur lahmt weiter

Die US-Wirtschaft wartet weiter auf positive Nachrichten und auch am Arbeitsmarkt bleibt die erhoffte Erholung aus, so das ernüchternde Fazit eines Berichts der US-Notenbank Fed. Etliche Finanzexperten rechnen schon bald mit weiteren Konjunkturstützen.
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HB WASHINGTON. Die Konjunktur in den USA lahmt nach Einschätzung der US-Notenbank Federal Reserve weiterhin. Das Wachstum habe sich in den Wochen bis Anfang Oktober nur moderat fortgesetzt, teilte die Zentralbank am Mittwoch in ihrem „Beige Book“ zur Lage der US-Wirtschaft mit.

Angesichts des schwachen wirtschaftlichen Umfeldes habe auch der Arbeitsmarkt kaum Fortschritte gemacht. „Die Unternehmen verschieben wegen der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten ihre Kapitalausgaben“, teilte die Fed mit. Die Firmen schreckten wegen der Kosten vor festen Neueinstellungen nach wie vor zurück.

Die Industrie legte beflügelt von Exporten in den meisten Regionen zu. Der Privatkonsum blieb konstant oder erhöhte sich leicht. Die Einkäufe der Verbraucher beschränkten sich allerdings auf das Nötigste. Der Immobilienmarkt blieb ebenfalls schwach - immerhin stabilisierten sich die Hauspreise.

Die große Mehrheit der Volkswirte und das Gros der Akteure an den Finanzmärkten geht mittlerweile davon aus, dass die Fed Anfang November weitere Konjunkturstützen per Notenpresse auf den Weg bringen wird. Der Offenmarktausschuss der Zentralbank (FOMC), in dem die grundlegenden geldpolitischen Entscheidungen fallen, kommt das nächste Mal am 2. und 3. November in Washington zusammen. Fed-Chef Ben Bernanke hatte sich zuletzt recht deutlich für weitere expansive geldpolitische Maßnahmen ausgesprochen. Am Dienstag hatten sich dann eine ganze Reihe weiterer Notenbanker ähnlich geäußert - darunter erneut der Chef der Fed von New York, William Dudley, der im FOMC Stellvertreter Bernankes ist.

Diskutiert wird innerhalb der Fed offenbar kaum mehr über die Frage, ob erneut Anleihen aufgekauft und auf diese Weise frisches Geld in die Wirtschaft gepumpt werden soll, sondern um den Umfang der Maßnahmen. Dennis Lockhart, Chef der regionalen Notenbank in Atlanta, will lieber klotzen statt kleckern: „Wenn wir eine neue Runde der geldpolitischen Lockerung einleiten, dann muss das Volumen groß genug sein, um Wirkung zu zeigen“, sagte er in einem Fernsehinterview. Lockhart steht beileibe nicht alleine. Angesichts einer nach Meinung der Fed viel zu niedrigen Inflationsrate von rund einem Prozent und einer Arbeitslosenquote von fast zehn Prozent sieht die Mehrheit der FOMC-Mitglieder Handlungsbedarf.

Die einflussreiche Beratungsfirma Medley Global Advisors (MGA) geht offenbar davon aus, dass die US-Notenbank den Ankauf von US-Staatsanleihen im Wert von 500 Mrd. Dollar plant.

Das Programm solle für sechs Monate aufgelegt werden und noch Spielrum für eine Erweiterung lassen, sagte ein Person mit Einblick in den Bericht der auf Makroökonomie spezialisierten Berater am Mittwoch.

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