Finanzkrise
Notenbanken pumpen Liquidität in Dollar-Markt

Die Geldmärkte halten die Notenbanken auf Trab. Führende Zentralbanken, darunter auch die EZB, haben zusätzliche Liquiditätsspritzen für den US-Dollar-Geldmarkt beschlossen. Volkswirte erwarten keine rasche Rückkehr zur Normalität.

HB/mak FRANKFURT. Die weltweit führenden Notenbanken wollen gemeinsam den erhöhten Anspannungen am US-Dollar-Geldmarkt entgegentreten. Die EZB kündigte eine zusätzliche Liquiditätsspritze in Dollar an. Zur Bereitstellung zusätzlicher Liquidität sei ein Schnelltender über einen Tag geplant, hieß es. Das angestrebte Volumen des Tenders liege bei 40 Milliarden US-Dollar.

Beteiligt an der Geldmarktaktion sind außer der EZB die Bank of Canada, die Bank of England, die US-Notenbank Federal Reserve, die Bank of Japan und die Schweizerische Zentralbank SNB. Die Zentralbanken würden weiterhin eng zusammenarbeiten und auf die anhaltende Anspannung mit geeigneten Maßnahmen reagieren.

Während die großzügige Liquiditätszufuhr der Europäischen Zentralbank vom Vortag gestern bei den Zinssätzen für Tagesgeld für Entspannung sorgte, funktionierte der Austausch von Euro und Dollar am Devisen-Swap-Markt nicht. Die Probleme hätten sich schon seit vergangenen Montag aufgebaut, berichtete ein Händler. Es werde nur ein sehr geringes Dollarvolumen zu utopisch hohen Zinsen gehandelt. Die Sätze lägen zwischen zehn und zwanzig Prozent. US-Banken halten derzeit ihre Liquidität zurück.

Eigentlich hätten viele Europäer Bedarf an Dollar, und normalerweise funktioniere der Markt einwandfrei, heißt es. Zur Zeit werde aber das Interbankenrisiko als sehr hoch bewertet. Die EZB und die US-Notenbank Fed könnten helfen, wenn sie für den Austausch von Dollar und Euro eine Swap-Linie einrichten würden.

Wahrscheinlich sei es sinnvoll, die japanische Notenbank gleich mit ins Boot zu nehmen. Denn beim Tausch von Dollar und Yen gebe es derzeit Probleme, sagte der Händler. Zur Entlastung des eigenen Geldmarkts stellte die Bank of Japan (BoJ) gestern drei Bill. Yen (20,2 Mrd. Euro) zur Verfügung, nachdem sie ihn am Dienstag mit 2,5 Bill. Yen (16,5 Mrd. Euro) gestützt hatte. Die Zentralbank sei fest entschlossen, mit Tagesgeldoperationen weiter für die Stabilität des japanischen Finanzmarktes zu sorgen und werde die Entwicklung um die Finanzhäuser der USA genau erfolgen, erklärte Notenbank-Chef Masaaki Shirakawa.

Angesichts der Zuspitzung der US-Finanzkrise stellte gestern auch die australische Notenbanksie weitere 2,1 Mrd. australischer Dollar bereit, nach 4,7 Mrd. AUD am Montag.

Während die europäischen Sätze für Tagesgeld leicht zurückgingen, blieben sie für längere Laufzeiten hoch. Allerdings fänden dort zurzeit überhaupt keine Umsätze statt, heißt es. Drei-Monatsgeld zu 4,97 Prozent angeboten. Deutsche Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter erwartet keine rasche Rückkehr zur Normalität am Geldmarkt.

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