Finanzkrise
Notenbanken pumpen weitere Milliarden in den Geldmarkt

Die Finanzkrise zwingt Notenbanken weltweit zu immer größeren Geldspritzen. Allein die Europäische Zentralbank (EZB) pumpte am Dienstag 70 Milliarden Euro in den Markt - mehr als doppelt so viel wie am Montag, als der Zusammenbruch von Lehman Brothers die Finanzwelt erschütterte.

HB FRANKFURT. Die Fed stellte 50 Milliarden Dollar zusätzlich zur Verfügung. Auch in anderen europäischen Ländern und in Asien griffen Notenbanken ein. Der Dollar-Geldmarkt ist inzwischen so gut wie ausgetrocknet. Währungshüter, Spitzenpolitiker und Experten befürchten nun, dass die Finanzkrise das Wachstum weltweit belastet.

Die Nachfrage nach dem EZB-Geld war hoch, insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro fragten die Banken bei den Frankfurter Währungshütern nach. Das ist ein Zeichen dafür, dass anderswo kaum noch frisches Geld zu bekommen ist. Kreisen zufolge leihen sich Banken untereinander Dollar nur noch für einen zweistelligen Zinssatz - das ist mehr als fünfmal dessen, was die US-Notenbank Fed berechnet. „Es ist viel schlimmer als im August vergangenes Jahr“, hieß es aus Marktkreisen. Damals schwappte die Finanzkrise erstmals aus den USA nach Europa über und zwang die Zentralbanken zum Einschreiten.

Auch die Bank von England und die Notenbanken in Japan, Indien und Australien pumpten Milliarden in den Markt, die Geldspritze in Japan war die höchste seit fast einem halben Jahr. Die Schweizerische Notenbank (SNB) stellte eine nicht bezifferte Summe bereit. Der Geldmarkt werde weiter „großzügig und flexibel“ mit Liquidität versorgt, sagte ein Sprecher.

Bereits am Montag hatte die Fed den Banken 70 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt, die ihre Geschäfte mit Lehman Brothers auflösen müssen und dafür dringend frisches Geld benötigen. An den Märkten wurde zudem auf eine Zinssenkung der Fed am Dienstagabend spekuliert. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins von derzeit zwei auf 1,75 Prozent reduziert wird, wurde dabei auf 88 Prozent beziffert.

Die Bank von Japan, die am Mittwoch über ihre Geldpolitik entscheidet, dürfte den Leitzins unverändert bei 0,5 Prozent lassen. Für die Euro-Zone erwartet eine führende Wirtschaftsvereinigung eine Senkung des Zinssatzes Anfang 2009. Ihre Mitglieder sind der Vereinigung „BusinessEurope“ zufolge zudem nicht besonders pessimistisch, was die Auswirkungen der Finanzkrise auf ihre Geschäfte angeht.

Finanzminister Peer Steinbrück bezeichnete die Finanzkrise als größtes konjunkturelles Risiko für die deutsche Volkswirtschaft. „Diese Finanzmarktkrise ist weltweit die schwerste seit Jahrzehnten - und sie ist nicht vorbei.“ Nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Axel Weber haben die deutschen Banken aber ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks verbessert. „Eine Sorge um die Stabilität des deutschen Finanzsystems oder der deutschen Bankenwelt ist überhaupt nicht gerechtfertigt“, sagte er am späten Montagabend.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%