Finanzkrise
Osteuropa: Mit Worten gegen den Währungsverfall

Mehrere Notenbanken Zentral- und Osteuropas haben sich zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen und versucht mit parallelen verbalen Interventionen den seit Monaten andauernden Verfall ihrer Währungen zu stoppen. Mit Erfolg: Die Talfahrt der Währungen wurde gestoppt. Ökonomen zweifeln dennoch am nachhaltigen Erfolg der Aktion.

HB BUDAPEST/PRAG/WARSCHAU. Die Zentralbanken von Ungarn, Tschechien, Polen und Rumänien erklärten, die Abwertung sei ungeachtet der Krise in Osteuropa nicht gerechtfertigt und spiegele nicht die wirtschaftlichen Realitäten der Region wider.

Tschechiens Notenbankchef Zdenek Tuma sagte zu Reuters: „Es ist eine Tatsache, dass die Koordination im Moment intensiver ist als zu anderen Zeiten und dass die wir die Ansicht teilen, dass der Währungsbewegung in einer Reihe von Ländern nicht mit der eigentlichen Lage der Wirtschaft korrespondiert.“ Vor diesem Hintergrund hätte man sich darauf verständigt, die Situation in ähnlicher Weise zu kommentieren, um ein Zeichen zu setzen.

Zunächst führte der unerwartete Schritt zu einem Ende der Talfahrt von Krone, Forint und Zloty, die allesamt gegenüber dem Euro zulegen konnten. Ökonomen zweifeln unterdessen am nachhaltigen Erfolg der gemeinsamen Aktion. Wahrscheinlich müssten den Worten Taten - also echte Interventionen an den Devisenmärkten - folgen.

Osteuropa schlittert immer tiefer in den Sog von Finanzkrise und Rezession. Inzwischen ist auch die internationale Politik alarmiert. Unter anderem fordern Österreich, dessen Banken in vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks aktiv sind, aber auch Großbritanniens Regierungschef Gordon Brown Hilfe für die Krisenregion. Auch Weltbankchef Robert Zoellick verlangte von Westeuropa schnelle und entschlossene Hilfe. Ohne Hilfe von außen sei eine Rekapitalisierung des Bankensystems nicht zu schaffen. Bisher habe der Westen die Krise jedoch eher noch verschlimmert. Viele Banken hätten ihr Geld aus Osteuropa abgezogen. Auf diese Weise werde den Ländern der Geldhahn zugedreht.

Am Devisenmarkt hatte die Zuspitzung der Krise in den vergangenen Wochen zu einer Abwertungsspirale der Währungen geführt. Polens Zloty und der ungarische Forint verloren seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro mehr als zehn Prozent. Die polnische Währung hat seit Mitte 2008 sogar ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Polen will nun seine Währung an den Euro koppeln und deshalb schnell dem europäischen Wechselkursmechanismus II (WKM II) beitreten. Die tschechische Krone gab seit Jahresbeginn mehr als sechs Prozent ab, der rumänische Leu immerhin auch knapp fünf Prozent.

Mehrere Analysten werteten die parallelen Stellungnahmen der Notenbanken als „klares Signal der Besorgnis“. Lars Christensen von der Danske Bank äußerte aber Zweifel, ob es genügen wird. „Wir zweifeln daran, dass verbale Interventionen genug sind und glauben, dass die Notenbanken die Leitzinsen erhöhen werden müssen - oder aber Hilfe von außen brauchen, beispielsweise von der Europäischen Zentralbank (EZB).“

Ungarns Notenbank beließ ihren Leitzins am Montag bei 9,5 Prozent - seit Oktober hat sie den Zinssatz um zwei Prozentpunkte gekappt. Im Oktober hatte sie den Zins in einem einzigen Schritt allerdings um drei Prozentpunkte erhöht, um die Abwertung des Forint zu verhindern. Ungarn hat im vergangenen Jahr Hilfen in Milliardenhöhe von der EU, dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank erhalten. Das Land gilt wegen seiner enormen Verschuldung als besonders verwundbar.

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