Finanzmarktexperten
ZEW-Index fällt stärker als erwartet

Die Konjunkturaussichten für Deutschland haben sich nach Einschätzung von Finanzmarktexperten im Oktober noch einmal leicht eingetrübt. Der ZEW-Index ging im Vergleich zum Vormonat zurück und sank damit zum neunten Mal in Folge. Analysten fürchten gleich mehrere Belastungen.

HB MANNHEIM. Nach der aktuellen Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel der Index der Konjunkturerwartungen auf minus 27,4 Punkte, nachdem das Stimmungsbarometer im September minus 22,2 Zähler betragen hatte. Die Index sank damit auf dem niedrigsten Stand seit März 1993. Bankökonomen hatten für Oktober einen Anstieg des Index auf minus 19,5 vorhergesagt.

„Die gute Nachricht ist, dass die Erwartungen sich anschicken zu stabilisieren“, kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz die Zahlen. „Die schlechte ist das vergleichsweise niedrige Niveau, wozu die missratene Gesundheitsreform beigetragen hat“, sagte Franz weiter. Die Einschätzung der Experten zur aktuellen Konjunkturlage verbesserte sich dagegen erneut. Der entsprechende Indikator stieg von 38,9 Punkten im September auf 42,9 Punkte im Oktober.

Die Konjunkturerwartungen für die gesamte Eurozone verschlechterten sich den weiteren Angaben zufolge auf minus 12,5 (September: minus 10,2) Punkte. Der Index für die aktuelle Lage wurde mit plus 43,1 (plus 40,5) angegeben.

Im Januar dieses Jahres hatte der Index mit 71,0 Punkten ein Zweijahreshoch erreicht, war danach aber kontinuierlich gesunken. Der ZEW-Konjunkturindikator gilt als einer der wichtigsten Stimmungsindikatoren der deutschen Wirtschaft. Für ihn werden regelmäßig rund 300 Analysten und institutionelle Anleger befrag

Banken-Volkswirte teilen den Zukunfts-Pessimismus nicht. Sie sehen die deutsche Wirtschaft trotz der erneuten Stimmungseintrübung auch 2007 auf einem stabilen Wachstumskurs. „Die Rahmenbedingungen für das Wachstum im kommenden Jahr sind nicht schlecht: Die Binnennachfrage springt an, die Mehrwertsteuererhöhung belastet zwar, sorgt aber nur für eine Wachstumsdelle“, sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. „Die aktuelle Lage ist so gut, dass es allein aus diesem Grund immer weniger Leute gibt, die sagen, es wird besser“, ergänzte Holger Schmieding von der Bank of America.

ZEW-Volkswirt Matthias Köhler erwartet im kommenden Monat eine Bodenbildung für den Indikator und rechnet danach wieder mit einem Anstieg. An den Finanzmärkten sorgten die ZEW-Daten für keine größeren Reaktionen. Weder beim Deutschen Aktienindex Dax noch beim Bund-Future oder dem Euro gab es nennenswerte Kursausschläge. „Die Zahlen geben keine klare Richtung vor. Während sich die Konjunkturerwartungen abgeschwächt haben, verbesserte sich die Einschätzung der gegenwärtigen Lage“, begründete Lothar Hessler von HSBC Trinkaus & Burkhardt die Zurückhaltung der Marktteilnehmer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%