Folgen der US-Schuldenkrise
US-Etatkrise alarmiert Ökonomen

Der Dauer-Haushaltsstreit in den USA könnte verheerende Folgen haben. Nicht nur für die größte Volkswirtschaft der Welt, meinen führende Ökonomen in Deutschland.
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DüsseldorfAngesichts eines drohen Haushaltsnotstands in den USA warnen führende Ökonomen in Deutschland vor den Folgen für die größte Volkswirtschaft der Welt. Auch eine so große Volkswirtschaft wie die der USA sei "vor dem Herdenverhalten der Finanzmärkte nicht gefeit und ein Vertrauensverlust würde auch die US-Wirtschaft empfindlich treffen, ähnlich wie das auch bei Griechenland oder Portugal der Fall ist", sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, hofft dass die USA wieder die Kraft zur Erneuerung fänden und doch noch eine Lösung im Etatstreit gefunden werde. "Denn den politisch Handelnden dürften die Risiken bewusst sein", sagte Carstensen Handelsblatt Online. "Eine Verschiebung der Haushaltskonsolidierung birgt die Gefahr einer Krise des Vertrauens in die USA. Das hätte viel weitreichendere Konsequenzen als die derzeitigen Probleme im Euroraum, schon allein weil das Weltzinsniveau sprunghaft steigen könnte."

Der Chefvolkswirt von Barclays Capital, Thorsten Polleit, warnte ebenfalls vor den Folgen des immensen US-Haushaltsdefizits. "Eine Gefahr wäre, dass bei einem Ausverkauf von US-Staatsanleihen und den damit verbundenen Zinssteigerungen der politische Druck auf die Zentralbanken erhöhen würde, als 'Buyer of Last Resort' einzuspringen", sagte Polleit Handelsblatt Online. "Weil dadurch die Geldmenge steigen würde, stiege auch die Inflation." Es sei daher überaus wichtig, dass die Regierung rasch Konzepte für nachhaltige Staatsfinanzen vorlege und deren praktische Umsetzung auch glaubwürdig verankere.

Erstmals seit 15 Jahren droht den USA ein Haushaltsnotstand: Trotz einer nächtlichen Marathonsitzung konnten sich Demokraten und Republikaner bis Freitagmorgen nicht auf einen Bundeshaushalt einigen. Auch ein erneutes Krisentreffen bei Präsident Barack Obama brachte keinen Durchbruch. Damit bleiben nur noch wenige Stunden für eine Einigung, die Frist läuft um Mitternacht ab (MESZ Samstag 06.00 Uhr). Danach wäre der Geldfluss für wichtige öffentliche Aufgaben des Bundes gestoppt.

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  • Bill Gross von Pimco hat vor kurzm eine andere Rechnung aufgemacht. Er meint, die Kosten für soziale Programme tauchten nicht als Ausgabenposition in der US-Haushaltsführung auf und sie überstiegen die im Etat ausgewiesenen und durch Bonds gedeckten Verbindlichkeiten um ein Vielfaches. Nach seiner Rechnung beträgt die Schuldenlast der USA 75.000 Milliarden Dollar - wohlgemerkt: Demokraten und republikaner streiten um die aktuelle Schuldenobergrenze von 14.300 Milliarden Dollar (siehe: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:staatsverschuldung-pimco-gruender-findet-die-usa-griechischer-als-griechenland/60033449.html).

    Vor diesem Hintergrund - sollte Bill Gros recht haben - liegt die Gefahr nicht in der Beilegung des Haushaltsstreits. Es geht vielmehr um die Frage, ob die USA ihre Schuldenprobleme überhaupt lösen können. Gross bezweifelt das. Er geht ferner davon aus, dass seit beginn des Aufkaufprogramms der Fed im November letztlich 70 Prozent aller neu begebenen US-Anleihen bei der Fed gelandet sind (siehe: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:weltgroesster-bondinvestor-pimco-schmeisst-alle-us-staatsanleihen-raus/60023596.html).

    Gross hält die USA für griechischer als Griechenland. Vor diesem Hintergrund sind die im vorliegenden Artikel wiedergegebenen Einschätzungen von Ökonomen Makulatur. Trotzdem würde es mich überraschen, wenn die Finanzmärkte gegen die USA wetten. Die USA SIND - neben London - praktisch "die Finanzmärkte".

  • Was könne die USA auf Bundes- und Regoinalebene anderes tun, als die staatlichen Leistungen zu verringern und die Abgabenlasten zu erhöhen, unabhängig von der Anhebung der Schuldengrenze? PIMCO hat bereits reagiert und andere werden folgen. Was will man mit einem Dollar auf den Weltmärkten, welcher jährlich merh als 10% abwertet? Das Eis wird dünner, nicht dicker! Der Osten ist schneller zusammengeklappt, als es die großen "Experten", ja selbst ich, vermutet hatten. Die USA stehen in der Gefahr, daß sich das Gesamtgefüge in drei bis zwölf Monaten auflöst, weil es keinerlei reale Wertabsicherung für den Dollar gibt und sich ein fundalemtaler Vertrauensschwund in die Zahlungsfähigkeit und Währungswertigkeit explosionsartig und mit aller Übertreibungsfähigkeit der Geld-, Waren- und Dienstleistungsmärkte bemerkbar machen wird. Selbst die indische Rupie ist stabiler, als der Dollar! Der Dollar-Gold-Chart läßt grüßen!

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