Frühjahrsgutachten
Ökonomen sehen neue Länder wieder zurückfallen

Für die Euro-Zone und die Weltwirtschaft sehen die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten einen weiteren klaren Aufwärtstrend. Einen Rüchschlag prophezeien sie der ostdeutschen Wirtschaft.

DÜSSELDORF. Die Wirtschaft in den neuen Ländern wird nach Ansicht der Experten in diesem Jahr im Gegensatz zum vergangenen nicht mehr schneller wachsen als im Westen. Die Institute prognostizieren mit 2,4 Prozent bis einschließlich 2008 für den Osten ein gleich hohes Wachstum wie in den alten Bundesländern. 2006 war der Anstieg des ostdeutschen BIP mit 3,0 Prozent kräftiger ausgefallen als beim westdeutschen BIP mit 2,6 Prozent.

Die Gründe sehen die Institute in einer stärkeren Expansion der Industrie und einer deutlichen Erholung beim Bau. Die ostdeutsche Industrie werde zwar dank weiter zunehmender Kostenvorteile im innerdeutschen Vergleich erneut stärker wachsen als in den alten Ländern. Beim Bau zeichne sich aber eine schwächere Entwicklung als im Westen ab. Die Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen werde deshalb nicht mehr so stark sein wie 2006, schätzen die Institute. Gleichwohl erwarten sie , dass die Erwerbstätigenzahl von 7,475 Millionen im vergangenen Jahr auf 7,545 Millionen in diesem und 7,59 Millionen im nächsten Jahr ansteigt. Die Arbeitslosigkeit nehme weiter ab, die Quote bleibe in Ostdeutschland mit 14,7 Prozent in diesem und 14,1 Prozent im nächsten Jahr aber weiterhin mehr als doppelt so hoch wie im Westen mit prognostizierten 7,2 und 6,5 Prozent.

Binnennachfrage in der Eurozone nimmt weiter kräftig zu

In der Euro-Zone bleibt die Grundtendenz der Konjunktur nach Einschätzung der am Frühjahrsgutachten beteiligten fünf Institute aufwärts gerichtet. Für dieses Jahr prognostizieren sie ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent, für 2008 ein Wachstum von 2,4 Prozent im Euro-Raum. Die Binnennachfrage werde weiterhin kräftig zunehmen, die Arbeitslosigkeit vor allem in diesem Jahr nochmals deutlich abnehmen.

Die Institute erwarten, dass die Arbeitslosenquote von 7,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 7,1 Prozent in diesem Jahr sinkt. 2008 werde die Arbeitslosigkeit aber nur noch wenig zurückgehen, die Institute erwarten dann eine Quote von 6,8 Prozent. Wegen einer etwas schwächeren Weltkonjunktur und weil sich die preisliche Wettbewerbsposition etwas verschlechtere, würden aber die Exporte nicht mehr so rasch steigen wie 2006. Deshalb werde die konjunkturelle Dynamik nicht mehr so stark sein wie 2006 mit 2,7 Prozent Wachstum. Stabile Ölpreise vorausgesetzt sei nicht zu erwarten, dass sich die Inflation erheblich beschleunige. Im Frühjahrsgutachten wird ein Anstieg der Verbraucherpreise von 1,9 Prozent in diesem und von 2,0 Prozent im nächsten Jahr vorausgesagt nach 2,2 Prozent im vergangenen Jahr. Für die gesamte Europäische Union erwarten die Institute ein Wachstum von 2,7 Prozent im laufenden und von 2,6 Prozent im nächsten Jahr. 2006 betrug es 2,9 Prozent. Die stärkere Dynamik im Vergleich zur Euro-Zone komme von einem weiterhin kräftigen Wachstum in den neuen Mitgliedsländern.

US-Immobiliensektor Unsicherheitsfaktor für Weltwirtschaft.

Der Aufschwung in der Weltwirtschaft wird sich nach Einschätzung der am Frühjahrsgutachten beteiligten Institute mit nur leicht verringertem Tempo fortsetzten. Die Institute schätzen, dass das Bruttoinlandsprodukt der Welt in diesem Jahr um 3,2 und im nächsten Jahr um 3,3 Prozent zulegen wird. Dies geht aus dem Frühjahrsgutachten hervor, das dem Handelsblatt vorliegt, und das am Donnerstag offiziell vorgestellt wird. Das weltweite Wachstum wäre damit nur wenig langsamer als im vergangenen Jahr mi 3,7 Prozent. Gestützt werde die Weltkonjunktur von der hohen Wachstumsdynamik in den Schwellenländern. Beim Welthandel erwarten die Institute 2007 und 2008 eine Expansion von jeweils 7,5 Prozent nach 9,2 Prozent im Jahr 2006. Der Prognose liegen ein Ölpreis von 65 US-Dollar je Barrel für die Sorte Brent und ein Wechselkurs des Euros von 1,32 US-Dollar in beiden Prognosejahren zugrunde.

Als wesentlichen weltwirtschaftlichen Unsicherheitsfaktor bezeichnen die Institute die Entwicklung auf dem US-Immobilienmarkt. Sie gehen aber davon aus, dass sich die Immobilienmärkte in Übersee allmählich stabilisieren werden - erste Anzeichen dafür gebe es bereits. Gleichwohl ist eine Wachstumsverlangsamung in den USA in diesem Jahr von 3,3 auf 2,3 Prozent nach Ansicht der Institute nicht zu vermeiden. Ab der Jahresmitte werde die US-Konjunktur aber wieder Fahrt aufnehmen, 2008 werde das amerikanische BIP wieder um 3,0 Prozent zulegen.

Seite 1:

Ökonomen sehen neue Länder wieder zurückfallen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%