Frühjahrsprognose
DIW verkündet Zeitpunkt für Ende der Talfahrt

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet im laufenden Jahr mit einem scharfen Einbruch der Wirtschaftsleistung in Deutschland: Das Bruttoinlandsprodukt wird laut Frühjahrsprognose um 4,9 Prozent zurückgehen. Allerdings nennt das DIW auch einen Zeitpunkt, ab dem sich die Wirtschaft stabilisieren wird.

HB BERLIN. Für 2009 sei zwar insgesamt mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um knapp fünf Prozent zu rechnen, erklärte das DIW am Mittwoch in seiner Prognose. Zum Jahresende sei aber mit einer Stabilisierung der Entwicklung zu rechnen. Mit der aktuellen Schätzung senkten die DIW-Forscher ihre Anfang Januar mit minus 1,1 Prozent angegebene Prognose deutlich.

Zum sich abzeichnenden Ende der wirtschaftlichen Talfahrt trügen die globalen Konjunkturprogramme bei. „Vor allem sprechen aber die niedrigen Rohstoffpreise und die dadurch sinkende Inflation für eine graduelle Erholung der Weltwirtschaft“, sagte DIW-Chef Klaus Zimmermann. Voraussetzung für eine konjunkturelle Stabilisierung sei aber eine Rückkehr des Vertrauens in die Finanzmärkte.

Die Berliner bekräftigten jedoch ihren Vorbehalt gegen neue Konjunkturspritzen der öffentlichen Hand. „Allein schon die Debatte darüber ist schädlich, denn sie schafft neue Unsicherheiten“, sagte Zimmermann. „Angesichts der ohnehin drastisch steigenden Staatsschulden wären weitere Konjunkturmaßnahmen – seien es weitere Ausgaben, oder seien es Steuersenkungen – nicht zu verantworten.“

Eine konkrete Prognose für 2010 wagte das Institut wegen der großen Unsicherheit wie angekündigt nicht. In einem „realistischen Szenario“ spricht das DIW aber von einer leichten Belebung. „Am ehesten ist von einer sehr schwachen und langsamen Erholung auszugehen,“ sagte Zimmermann. Im Januar war er noch von einem Wachstum von 1,1 Prozent ausgegangen.

In Folge der Konjunkturlage und der von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Konjunkturprogramme werden sich die öffentlichen Haushalte dem Institut zufolge in einer in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellosen Weise verschulden. Das Gesamtdefizit der öffentlichen Haushalte werde – bei großer Unsicherheit – im nächsten Jahr auf weit über 100 Milliarden Euro ansteigen, nach knapp 80 Milliarden Euro in diesem Jahr und einem nahezu ausgeglichenen Haushalt 2008.

Eine qantitative Lockerung der Geldpolitik auch der Europäischen Zentralbank (EZB) ist aus Sicht des DIW in den nächsten Monaten nicht auszuschließen. Falls die Inflationsrate im Euroraum weiter zurückgehe, spreche dies für eine weitere Zinssenkung der EZB in den kommenden Monaten, heißt es in dem Konjunkturbericht. Bei dem jetzigen Zinsniveau von 1,25 Prozent bedeute dies, dass die Einlagenfazilität die Nulllinie erreiche. Vor diesem Hintergrund sei nicht auszuschließen, dass die EZB in den nächsten Monaten der US-Notenbank Fed und der Bank of England (BoE) folge und eine Geldpolitik der quantitativen Lockerung führen werde.

Dann stelle sich die Frage, ob sich die EZB auf das Aufkaufen von Unternehmens- oder Staatsanleihen konzentrieren sollte. Beide Fälle wären ordnungspolitisch problematisch.

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