Gehältervergleich
Reallöhne in Deutschland sinken seit Jahren

Die Zeche für die weltweite Wirtschaftskrise haben vor allem die Beschäftigten bezahlt. Seit 2007 stieg die Zahl der Arbeitslosen weltweit um knapp 30 Millionen auf rund 207 Millionen im vergangenen Jahr. Der deutsche Arbeitsmarkt zeigte sich in der Krise flexibel, bei der Lohnentwicklung hinkt Deutschland aber deutlich hinterher.
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HB BERLIN. Die weltweiten Lohnzuwächse haben sich in der Wirtschafts- und Finanzkrise nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) halbiert. Deutschland kam zwar durch Kurzarbeit und Arbeitszeitkonten deutlich glimpflicher durch die Rezession als andere Länder, hinkt aber bei der Lohnentwicklung in den vergangenen zehn Jahren enorm hinterher, wie aus dem in Berlin vorgestellten "Global Wage Report 2010/2011" hervorgeht.

Die realen (inflationsbereinigten) Löhne legten 2009 im weltweiten Durchschnitt nur noch um 1,6 Prozent zu - nach 2,8 Prozent vor Ausbruch der Krise 2007. Nimmt man China aus der Statistik heraus, ging das Wachstum sogar um zwei Drittel von 2,2 Prozent auf 0,7 Prozent zurück. "Die Rezession hatte nicht nur dramatische Auswirkungen für Millionen von Arbeitnehmern, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, sondern auch für viele von denen, die ihren Job behalten haben", betonte ILO-Generalsekretär Juan Somavia.

Die Organisation würdigte zwar Deutschlands Flexibilität am Arbeitsmarkt in der Krise. Zwischen 2000 und 2009 seien allerdings die realen Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent gesunken. Deutschland hinke damit deutlich im internationalen Vergleich zurück. In Finnland und Norwegen etwa gab es im gleichen Zeitraum jeweils ein Plus von mehr als 20 Prozent. ILO-Experte Malte Lübker kritisierte, dass sich die Löhne in Deutschland zunehmend von der Entwicklung der Produktion entkoppelt hätten.

Gegenüber 2007 stieg die Zahl der Arbeitslosen weltweit um knapp 30 Millionen auf rund 207 Millionen im vergangenen Jahr.

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  • Soviel zum Thema 'die Ursache des deutschen Exporterfolges ist die Qualität der Produkte'. Die Wahrheit -die Ursache des deutschen Exporterfolges ist zu einem großen Teil Lohn-und Sozialdumping. Ohne diesen wären deutsche Produkte teurer, es hätten nicht so viele Güter abgesetzt werden können, es hätte nicht so große internationale Ungleichgewichte gegeben und man hätte den dämlichen Deutschen nicht so viele Ramschpapiere verkaufen können.
    Noch mal vielen Dank an alle Experten, die mit ihrem Gürtel engen Schnallen gerede, diesen Unsinn ermöglicht haben!

  • Der Euro muss also weg. Und dann wieder die D-Mark?
    Kleiner Artikel dazu:
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/helmut-schmidt-d-mark-wuerde-arbeitsplaetze-vernichten;2713328

    Wie dort eben richtig gesagt wird, haben wir Deutsche größere Kosten als andere Staaten. Aber wir sind nunmal das Land mit dem größten biP und den meisten Einwohnern.
    Mag sein, dass Sie, wenn sie schon den Euro nicht wollen, auch die Europäische Union nicht wollen. Gern, fallen wir zurück in die Nationalstaaten und alte Kriege, geschlossene Grenzen und unfreien Handel.

    Verschleiern sie doch bitte nicht das wahre Problem!
    Das Problem liegt vor allem bei der Steuerlast und den hohen Lohnnebenkosten in Deutschland.

  • Noch liegen die Löhne in Deutschland höher als in China oder indien und Südamerika. Wieso eigentlich? Steht es einfach der Herrenrasse zu?

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