Geschäftsklima
Bundesbank und Ifo dämpfen Konjunkturhoffnung

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich laut Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni zum dritten Mal in Folge aufgehellt. Traditionell wird dies von Ökonomen zwar als Trendwende beim Stimmungsindikator gesehen, doch in diesem Fall bleiben Experten zurückhaltend – selbst Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch die Bundesbank warnte vor verfrühter Euphorie.

HB BERLIN. Der Abwärtstrend in der deutschen Wirtschaft werde frühestens in der zweiten Jahreshälfte gestoppt, schrieb die Bundesbank am Montag in ihrem Monatsbericht. „Die Aufhellungssignale von der Auslandsnachfrage sind insgesamt noch schwach“, hieß es darin. Gleichzeitig leide die Binnennachfrage unter den sinkenden Investitionen der Unternehmen. Der private Konsum stütze dagegen die Konjunktur. Dazu trage das „kaufkraftschonende Preisumfeld“ bei. Die Teuerungsrate war im Mai erstmals seit 22 Jahren auf null Prozent gesunken - für Juni sagen Experten sogar fallende Preise voraus.

Der Anstieg des Ifo-Index fiel noch deutlicher aus, als von Experten erwartet: Der Geschäftsklimaindex stieg demnach auf 85,9 von 84,3 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) mitteilte. Das ist der höchste Stand seit über einem halben Jahr. Analysten hatten lediglich mit einem Anstieg auf 85,2 Zähler gerechnet.

Die deutschen Aktienindizes reagierte am Montag allerdings kaum auf die Veröffentlichung des Ifo-Index und verzeichnete weiterhin Verluste. "Der Ifo reißt niemanden vom Hocker", sagte ein Aktienhändler.

"Die Befragungsergebnisse untermauern, dass sich die deutsche Wirtschaft allmählich stabilisiert", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn laut Mitteilung. Der Pessimismus der Befragungsteilnehmer hinsichtlich der Entwicklung im kommenden halben Jahr habe weiter abgenommen. Mit ihrer derzeitigen Geschäftslage seien die Unternehmen dagegen genauso unzufrieden wie im Mai. Dass das Konjunkturbarometer jedoch wirklich einen Aufschwung signalisiert, glaubt Ifo-Experte Klaus Abberger noch nicht. Für eine echte Trendwende müsste sich auch die Lage verbessern.

Die Bundesregierung wertet den neuen Ifo-Geschäftsklimaindex als erstes Anzeichen für eine Ende der Konjunktur-Talfahrt. Die aktuellen Zahlen wie auch andere Frühindikatoren gäben einen Hinweis "auf eine gewisse Stabilisierung", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag in Berlin. Die Regierung bleibe aber weiter vorsichtig und werde die weitere Entwicklung genau beobachten. Man müsse jetzt die auf den Weg gebrachten Konjunkturprogramme wirken lassen. Für Schlussfolgerungen sei es daher noch zu früh.

Auch Analysten sehen noch keinen baldigen Aufschwung. "Die Konjunktur ist weiter mau", sagte der Chefvolkswirt von Union Investment, David Milleker. "Wir werden in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich eine weitere Konsolidierung sehen, aber noch keine nachhaltige Erholung", sagte Postbank-Experte Thilo Heidrich. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht trotz der erneuten Aufhellung des Ifo-Geschäftsklimas ebenfalls noch keine umfassende Konjunkturwende.

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