Gute Konjunktur
Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter

Der Arbeitsmarkt hat sich auch im März robust präsentiert. Die Zahl der Arbeitslosen ist auch im März weiter gesunken. Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften bleibe auf hohem Niveau, heißt es aus der Bundesagentur. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der USA scheinen damit noch nicht in Deutschland angekommen zu sein. Doch Analysten warnen: „Die Party am Arbeitsmarkt ist irgendwann vorbei.“

HB NÜRNBERG. Die Zahl der Arbeitslosen ist im März um 110 000 auf 3,507 Millionen gesunken. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 Punkte auf 8,4 Prozent, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 9,9 Prozent gelegen.

Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Effekte fiel die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt um 55 000. Die Situation am deutschen Arbeitsmarkt hat sich damit erneut etwas stärker verbessert als erwartet. Ökonomen hatten saisonbereinigt eine um 40 000 verringerte Arbeitslosenzahl erwartet. Im Westen Deutschlands wurden bereinigt 36 000 weniger Arbeitslose registriert als im Vormonat, im Osten wurde ein Minus von 19 000 verzeichnet.

BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte: „Die Arbeitsmarktentwicklung wird weiter von der guten Konjunktur getragen. Die Beschäftigung wächst weiter und die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften bleibt auf hohem Niveau.“ Der zu Frühlingsbeginn übliche Rückgang der Erwerbslosenzahl sei in diesem Jahr aber etwas schwächer ausgefallen als im Vorjahr. Wie im vergangenen Jahr habe sich die Winterarbeitslosigkeit in engen Grenzen gehalten.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der USA scheinen damit noch nicht in Deutschland angekommen zu sein. Bei der Nachfrage nach Fachkräften zeigt sich nach Angaben der BA auch im März noch keine Eintrübung. Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern sei weiter hoch, geht aus dem am gestrigen Montag veröffentlichten Stellenindex BA-X der Bundesagentur hervor. Die Expansion scheine aber an ihre Grenzen zu stoßen, schränkte die Bundesbehörde ein.

Schließlich mehren sich Meldungen über Arbeitsplatzabbau bei Großunternehmen. Allerdings erwartet der Wirtschaftsweise Bert Rürup keinen Einbruch am Arbeitsmarkt. Der Mittelstand schaffe mehr Stellen als in den Konzern wegfielen, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der „Bild“-Zeitung". „Während große Unternehmen Stellenabbau ankündigen, findet der Personalaufbau bei vielen kleinen und mittleren Firmen statt.“ Die Erholung des Arbeitsmarkts werde dieses Jahr weitergehen, sagte Rürup. „Die Arbeitslosenzahl wird im Jahresschnitt von 3,78 unter 3,5 Millionen sinken.“

Banken-Volkswirte sagten in ersten Reaktionen zu den März-Zahlen: „Wir bekommen sehr gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Das lässt hoffen, dass sich die Einkommenssituation der privaten Haushalte so verbessert, dass sich auch im privaten Konsum positive Impulse niederschlagen werden“, sagte Ulrike Kastens von Sal.Oppenheim.

Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank meinte: „Das sind erfreuliche und starke Zahlen. Die gute Konjunktur spiegelt sich darin wider. Aber auch statistische Effekte sind am Werk: Der Winter war sehr mild, was die Saisonbereinigung nur unzureichend erfasst hat. Aber alles in allem sind das sehr erfreuliche Zahlen. Die Arbeitslosigkeit wird auch in den kommenden Monaten sinken, aber nicht mehr so rasant wie bisher.“

Etwas skeptischer ist Peter Meister von der BHF-Bank. „Die gute Entwicklung hat sich im März fortgesetzt. Insgesamt war die Entwicklung in den vergangenen Monaten äußerst erfreulich und auch historisch ungewöhnlich gut“, sagte er, schränkte jedoch ein: „Bis jetzt trägt die gute Konjunktur, und auch das Wetter war nicht so schlecht. Aber die guten Nachrichten werden allmählich auslaufen. Schon im April könnte der entlastende Effekt durch das Winterkurzarbeitergeld am Bau bei den saisonbereinigten Zahlen einen Rückschlag bringen. Wir haben auch Meldungen gehört, dass erstmals seit langem die Unternehmen wieder mehr Entlassungen als Einstellungen planen. Auch unser Konjunkturbild wird träger. Die Party am Arbeitsmarkt ist irgendwann vorbei.“

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wertete den Rückgang der Arbeitslosenzahl als Erfolg der Reformpolitik. „Die Arbeitsmarktreformen der Vergangenheit tragen jetzt Früchte“, erklärte Glos. Sie hätten neben der wirtschaftlichen Dynamik und den günstigen Witterungsbedingungen maßgeblichen Anteil am Beschäftigungsaufschwung. Erneut warnte Glos vor flächendeckenden Mindestlöhnen, die der Beschäftigung schadeten. Auch dürften die „Jobmaschine Zeitarbeit“ nicht abgewürgt oder Arbeit durch weitere Lohnzusatzkosten verteuert werden.

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