Anfälligkeit des Euro-Raums gegenüber weltwirtschaftlichen Risiken ist aber weiter groß
Eurokonjunktur-Indikator bietet stabiles Bild

Der Handelsblatt Eurokonjunktur-Indikator liefert im Juni eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Das Risiko eines Konjunktur-Rückschlags in der Euro-Zone ist mit Blick auf die nächsten drei Monate gering – damit sind die Aussichten für den gesamten Währungsraum besser als die für Deutschland. Die schlechte: Anders als in den USA und Asien droht der Aufschwung in Europa im dritten Quartal ins Stocken zu geraten.

ost DÜSSELDORF. Der Handelsblatt-Indikator, der der Konjunktur im Euro-Raum zuverlässig ein Vierteljahr vorausläuft, trat im Juni zum zweiten Mal in Folge auf der Stelle: Im Oktober dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wie im August und September mit einer gleitenden Jahresrate (Definition rechts) von 1,5 Prozent zulegen. „Die Konjunktur im Euro-Raum bleibt auf Wachstumskurs, aber der Schwung ist erst einmal dahin“, sagt Ulrich van Suntum, Ökonomie-Professor an der Universität Münster. Er hat den Indikator konzipiert und berechnet ihn monatlich.

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Seine hohe Prognosegüte hat das Barometer zu Jahresbeginn erneut unter Beweis gestellt: Der Indikator sagte das Wirtschaftswachstum des ersten Quartals in Höhe von 0,6 Prozent in gleitender Jahresrate exakt voraus – zahlreiche Konjunktur-Beobachter hatten dagegen einen geringeren Anstieg erwartet. Für das zweite Quartal lässt der Indikator durchaus hoffen: Das Wachstum dürfte sich auf ein Prozent beschleunigen – und dieses Tempo dürfte im Durchschnitt des dritten Quartal mindestens gehalten werden.

Trotz der massiven Euro-Aufwertung zu Jahresbeginn, der drastisch gestiegenen Ölpreise und der chronisch schwachen Binnennachfrage in Deutschland stehen die gängigen Prognosen für die Euro-Konjunktur daher derzeit nicht in Frage. „Vor dem Hintergrund einer anziehenden Weltkonjunktur sollte ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent in diesem Jahr, wie es im Frühjahrsgutachten für den Euro-Raum prognostiziert wurde, durchaus erreichbar sein“, sagt van Suntum. Damit wäre das Wachstum rund dreimal so hoch wie im Vorjahr. Im internationalen Vergleich allerdings wäre ein BIP-Anstieg von 1,6 Prozent dennoch ein klägliches Ergebnis: Für Japan prognostiziert die OECD ein Wachstum von 3,0 Prozent, für die USA gar eines von 4,7 Prozent. „Was im Euro-Raum immer noch fehlt, ist die Eigendynamik“, sagt van Suntum. „Der Währungsraum profitiert weit mehr von der weltwirtschaftlichen Erholung, als er zu ihr beiträgt.“ Entsprechend groß sei die Anfälligkeit des Euro-Raums gegenüber weltwirtschaftlichen Risiken.

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