Erstes Halbjahr ist gelaufen
HB-Frühindikator: Erholung kommt nur langsam

Die deutsche Konjunktur schleppt sich weiter dahin. Trotz des vierten Anstiegs in Folge signalisiert der Handelsblatt-Frühindikator noch keine wirkliche Besserung.

Der aktuelle Stand von 0,3% im April (nach 0,2% im Vormonat) lässt vielmehr bis zu Jahresmitte nur ein weiteres Entlangschrammen an der Wachstumsnulllinie erwarten. Das erste Halbjahr kann damit praktisch abgehakt werden. Ob es danach besser wird, dürfte keineswegs nur vom weiteren Verlauf des Irakkrieges abhängen. Denn binnenwirtschaftliche Impulse sind derzeit selbst mit der Lupe kaum auszumachen. Die Kanzler-Rede scheint verpufft, von Aufbruchstimmung gibt es keine Spur. Die Wirtschaft hat vielmehr Angst vor zu kleinen, die Bevölkerung dagegen vor zu großen Reformschritten. Beides zusammen ergibt ein unheilvolles Mix von Abwarten und Fatalismus. Selbst ein rasches Ende des Krieges wäre in dieser Lage keineswegs eine Garantie für neuen Optimismus.

Frühindikator West: >>Tabellen

Konjunkturbarometer Ost: >>Tabellen

Etwas zuversichtlicher zeigten sich zuletzt nur die vom ZEW befragten Finanzmarktexperten. Dagegen sind die Konjunkturerwartungen der vom ifo-Institut befragten Unternehmen im März zum dritten mal in Folge pessimistischer geworden. Unter dem Eindruck des starken Eurokurses und der Kriegsfolgen werden auch die Exportaussichten mittlerweile skeptischer gesehen. Zu Jahresbeginn konnte zwar der überraschende Einbruch vom Dezember bei den Auslandsorders wieder ausgeglichen werden. Viel Musik scheint aber derzeit dennoch im Exportgeschäft derzeit nicht mehr zu stecken.

Hauptsorgenkind ist aber nach wie vor die Binnennachfrage. Seit einem Jahr stagniert sie auf niedrigem Niveau und lag im Januar noch etwas niedriger als vor Jahresfrist. Weder Investitions- noch langlebige Konsumgüter lassen sich derzeit an den Mann bringen, gekauft wird nur noch, was man unbedingt braucht. Noch schlimmer sieht es im Baugewerbe aus, wo es im Januar sogar zu einem neuerlichen Einbruch gekommen ist. Nur die Geschäftslage im Einzelhandel hat sich zuletzt ein wenig erholt, was aber noch nicht viel heißen will. Zu oft haben sich die Umsatzschwalben einzelner Monate schon als trügerische Vorboten einer dann doch nicht stattfindenden Wende zum Besseren erwiesen.

Die aktuellen Einzelwerte:

  • Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe (Gewicht 42%) haben sich im Januar von ihrem scharfen Rückgang im Dezember wieder etwas erholt. Der gesamtdeutsche Anstieg von 4,1% wurde vor allem von der Investitionsgüterindustrie getragen, während die Konsumgüternachfrage (+1,0%) weiter schwach blieb. Von der Erholung profitierten Ost- und Westdeutschland etwa in gleichem Maße, eine Trendwende ist aber vorerst noch nicht in Sicht.

  • Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe (Gewicht 18,5%) brach im Januar mit –6,7% gegenüber dem Vormonat regelrecht ein. Hauptursache war ein Absturz der Nachfrage im westdeutschen Hochbau um mehr als 20%, von dem sowohl der Wohnungsbau als auch der Nicht-Wohnungsbau betroffen war. Allein der Tiefbau konnte sich leicht erholen, liegt aber nach wie vor weit unter Vorjahresniveau.

  • Die gesamtdeutschen Einzelhandelsumsätze (Gewicht 10,5%) erholten sich im Januar trotz weiter rückläufiger Kfz-Nachfrage um immerhin 1,3% gegenüber Dezember, der allerdings auch sehr enttäuschend verlaufen war. Hauptsächlich Nahrungsmittel und Getränke liefen besser, aber auch beim Erwerb von langlebigen Konsumgütern gab der eine oder andere Kunde die Zurückhaltung auf. Erste Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zeigen für Februar aber bereits wieder einen leichten Rückgang an, so dass von einer Trendwende weiterhin keine Rede sein kann.

  • Die ifo-Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe (Gewicht 8%) haben im März zum dritten mal in Folge nachgegeben. Der Rückgang im Saldo der optimistischen Stimmen fiel aber mit 6,8 nach 6,1 Punkten wesentlich moderater aus als noch im Vormonat. Die Exporterwartungen fielen allerdings deutlich von 7,0 auf 3,0 Punkte zurück. Erstmals seit vier Mopnaten waren auch die Geschäftserwartungen in Westdeutschland mit – 3,7 Punkten (Ostdeutschland: -10,8 Punkte) im Saldo wieder negativ.

  • Die ZEW-Konjunkturerwartungen (Gewicht 21%) legten im März von 15,0 auf 17, 7 Punkte zu und verbesserten sich damit – ganz im Gegensatz zum ifo-Konjunkturtest – zum dritten mal in Folge. Das ZEW bewertet dies allerdings nur als „verhaltenen Optimismus“ für das zweite Halbjahr 2003.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%