Frühindikator August
Bessere Stimmung hilft Konjunktur nicht

Die jüngste Stimmungsaufhellung in der Industrie und bei Finanzmarktexperten wird der deutschen Konjunktur in diesem Jahr nicht mehr auf die Sprünge helfen. Der Handelsblatt-Frühindikator prognostiziert im August trotz der günstigeren Entwicklung einzelner Konjunkturdaten für das Gesamtjahr 2005 nur ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent nach 1,6 Prozent im Jahr 2004.

ari DÜSSELDORF. Die erste vorläufige Voraussage des Handelsblatt-Frühindikators von Juli für das laufende Jahr wurde damit bestätigt. Eine endgültige Vorhersage liefert der Indikator im nächsten Monat.

Seit Jahresbeginn sagt der Handelsblatt-Frühindikator eine stetige Wachstumsabschwächung in gleitender Jahresrate voraus – von 0,9 Prozent im zweiten auf 0,5 Prozent im vierten Quartal. Im Schlussquartal entspricht die gleitende Jahresrate – die Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts in den vergangenen vier gegenüber den vorherigen vier Quartalen – dem Wachstum im Jahresdurchschnitt.

Für Ostdeutschland sind die Aussichten dabei nicht besser. Das Handelsblatt-Ostbarometer sagt im August für das vierte Quartal und damit im Gesamtjahr ein Wachstum von 0,4 Prozent in den neuen Ländern voraus. Die Prognose ist damit zwar höher als im Juli (0,2 Prozent), zeigt aber, dass die ostdeutsche Wirtschaft erneut keine stärkere Dynamik entfaltet als die westdeutsche. Der Osten leidet vor allem unter der schlechten Baukonjunktur.

Positivere Konjunkturzahlen der vergangenen Wochen wecken indes die Hoffnung, dass sich das Wachstum nach der Jahreswende beschleunigen könnte. Bislang beschränken sich die Anzeichen – auch die des Ifo-Geschäftsklimas und des ZEW-Konjunkturbarometers – aber wieder einmal weitgehend auf den Export. Der im Mai auf den höchsten Stand seit Dezember gestiegenen Auslandsnachfrage dürfte es wesentlich zu verdanken sein, dass die Kapazitätsauslastung in der Industrie im Juni auf 83,2 Prozent von 82,7 Prozent im März stieg. Im Jahresvergleich waren die Produktionsanlagen jedoch weniger stark ausgelastet – das schmälert Chancen für Erweiterungsinvestitionen.

>>Tabellen Gesamtdeutscher Frühindikator
>>Tabellen und Grafik Konjunkturbarometer Ost

In der Binnenkonjunktur deutet sich eine Besserung dagegen nur marginal an. Insbesondere der Einzelhandel kommt nicht richtig in Fahrt. Einschließlich Fahrzeughandel und Tankstellen sank der Umsatz im zweiten Quartal erneut.

Die Hoffnung, dass die Verbraucher künftig mehr in Kauflaune geraten, ist außerdem gering. Nach einer gestern veröffentlichten repräsentativen Umfrage von tns-infratest im Auftrag der Dresdner Bank unter 3 000 Bürgern wollen nur 4,1 Prozent – im Osten 1,4 Prozent – ihren Konsum in absehbarer Zeit steigern. Dreiviertel der Befragten wollen nicht mehr ausgeben als bisher, fast ein Fünftel sogar weniger. Zudem sind 46 Prozent der Bürger mehr oder weniger gezwungenermaßen bereit, zugunsten der Altersvorsorge auf Konsum zu verzichten.

Die Umfrage fand bereits im Juni statt, als die Unionspläne, die Mehrwertsteuer im Falle eines Wahlsieges zu erhöhen, noch nicht konkret waren. Im Juli signalisierte das GfK-Konsumklima, dass die Verbraucher dann größere Käufe vornehmen würden. „Dies dürfte zwar vorübergehende Vorzieheffekte auslösen, insgesamt aber die Konsumlaune weiter dämpfen“, warnt Ulrich van Suntum, der den Handelsblatt-Frühindikator entwickelt hat und ihn regelmäßig betreut. Noch fragwürdiger seien Vorschläge, die Löhne stärker zu erhöhen. Denn, so der Volkswirtschafts-Professor an der Universität Münster, „niemandem ist mit einem kurzen Konsumrausch gedient, wenn das letztlich auf Kosten der Beschäftigung geht“.

Die Einzelwerte im Handelsblatt-Frühindikator:

Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe sind im Mai gegenüber April preis- und saisonbereinigt um 2,8 % gestiegen.

Die stark schwankende Nachfrage im Bauhauptgewerbe hat sich im Mai mit +6,8 % kräftig erholt.

Die Einzelhändler haben zwar im Mai real 1,4 % mehr umgesetzt, im Juni – dieser Wert ist noch nicht berücksichtigt – aber 0,8 % weniger.

Die Geschäftserwartungen der Industrie (Ifo) haben sich im Juli ebenso sprunghaft verbessert wie die Konjunkturerwartungen von Finanzmarktexperten (ZEW).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%