Frühindikator Juli
Der Aufschwung hebt ab

Die Komponenten des Handelsblatt-Frühindikators sprechen eine deutliche Sprache: Vier der fünf Einzelindikatoren des Barometers sind zuletzt gestiegen. Das prophezeit einen ungewöhnlichen Wachstumsschub im laufenden Jahr.

doh DÜSSELDORF. „Der Aufschwung steht inzwischen auf breiteren Füßen“, sagt der Münsteraner Volkswirt Ulrich van Suntum, der den Frühindikator für das Handelsblatt entwickelt hat und monatlich neu berechnet. Insgesamt sagt der Handelsblatt-Frühindikator in einer ersten noch vorläufigen Prognose für das vierte Quartal ein Wachstum in gleitender Jahresrate von drei Prozent voraus. Die gleitende Jahresrate gibt an, wie stark das reale Bruttoinlandsprodukt in den jeweils letzten vier Quartalen gegenüber den vorhergehenden vier Quartalen zugenommen hat. Am Jahresende ist sie mit der Wachstumsrate des Gesamtjahres identisch. Somit gilt die aktuelle Prognose auch für das laufende Gesamtjahr.

Überraschend deutlich hatte sich zuletzt der Ifo-Index, der auf einer Umfrage des Instituts unter Unternehmern basiert, gesteigert. Die aktuelle Geschäftslage beurteilten die Befragten besser als im Vormonat. Und selbst die Erwartungen an die kommenden Monate stiegen, wenn auch nur leicht an. „Die Unternehmen lassen sich offenbar weniger von der Börse und dem Berliner Reform-Hick-Hack verunsichern und sehen lieber auf ihre eigenen Geschäftszahlen“, analysiert van Suntum. Diese Zahlen gäben zunehmend Anlass zur Freude, dies zeigten die Angaben zur Kapazitätsauslastung. Die fiel im März mit 85,4 Prozent erneut deutlich höher aus als noch drei Monate zuvor mit 84,9 Prozent.

Auch die Auftragseingänge der deutschen Industrie geben Anlass zur Zuversicht. Nachdem auf Grund des Streiks im öffentlichen Dienst lange keine Daten aus Nordrhein-Westfalen vorlagen, gibt es inzwischen wieder Daten bis einschließlich April. Darin ist ablesbar: Der Anstieg der Nachfrage nach deutschen Gütern setzte sich im ersten Quartal fort und steigerte sich zuletzt sogar deutlich – sowohl im In- als auch im Ausland. Zuletzt habe vor allem die Konsumgüternachfrage im Inland angezogen, während die Investitionsgüternachfrage eher verhalten blieb, betont van Suntum.

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Auch im deutschen Bauhauptgewerbe haben sich nach einem schwachen ersten Quartal im April die Auftragseingänge deutlich erholt. Aus Sicht van Suntums stärke das die Einschätzung, dass die jüngste Nachfrageschwäche vor allem witterungsbedingt gewesen sei. Darauf deutet auch das Ifo-Geschäftsklima im Baugewerbe hin, das sich im Juni weiter verbesserte – allerdings nur in den alten Bundesländern.

Die einzige Einzelkomponente, die sich zuletzt klar verschlechterte, ist der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Das Barometer, das auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzanalysten beruht, hat sich im Juni bereits das fünfte Mal in Folge eingetrübt. Das könnte an dem zeitlichen Vorlauf des Indikators liegen: Anders als der Ifo-Index, der gut drei bis sechs Monate vorausläuft, weist der ZEW-Index sechs bis zwölf Monate in die Zukunft.

Und für 2007 fallen die Wachstumsprognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute sowie der Bankvolkswirte mehrheitlich schwächer aus als für 2006. Die Hauptursache ist die bevorstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Punkte zu Jahresbeginn 2007. Auch die im Zuge der Gesundheitsreform beschlossene Erhöhung der Kassenbeiträge um 0,5 Prozent ab dem nächsten Jahr halten Konjunkturexperten für ein schlechtes Signal für die deutsche Wirtschaft – weil sie den Konsum zusätzlich dämpfen könnten.

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