Frühindikator Mai
Deutsche Konjunktur bleibt im Aufwind

Trotz des überraschenden Rückgangs der Industrieproduktion hält der Aufwärtstrend für die deutsche Wirtschaft insgesamt weiter an. Dieses Signal sendet der aktuelle Handelsblatt-Frühindikator. Es gibt allerdings auch einen Ausreißer nach unten.

doh DÜSSELDORF. Das Barometer hat im Mai gegenüber dem Vormonat nochmals leicht zugelegt und geht von einer weiteren Belebung der Wirtschaft in den Monaten Juni bis August aus. Es sagt nun ein Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent in gleitender Jahresrate im dritten Vierteljahr vorher, nachdem es im Vormonat für diesen Zeitraum noch 2,1 Prozent Wirtschaftswachstum prognostiziert hatte.

Die gleitende Jahresrate gibt an, wie stark das reale Bruttoinlandsprodukt in den jeweils letzten vier Quartalen gegenüber den vorhergehenden vier Quartalen zugenommen hat. Die Baubranche, die mit ihrem deutlichen Rückgang im März das gesamte produzierende Gewerbe drastisch drückte, dürfte im ersten Quartal des laufenden Jahres erstmals seit einem Dreivierteljahr insgesamt wieder rückläufig gewesen sein. Dies prognostiziert der Münsteraner Volkswirtschaftsprofessor Ulrich van Suntum, der den Frühindikator für das Handelsblatt entwickelt hat und ihn monatlich neu berechnet. „Das hängt aber auch mit dem schlechten Wetter zu Jahresbeginn zusammen und sollte deswegen noch nicht für konjunkturelles Stirnrunzeln sorgen“, kommentierte er.

Der Rückgang der Produktion in der Baubranche kam für Konjunkturexperten nicht unerwartet: Aus den Details des Ifo-Geschäftsklimaindexes ging hervor, dass der krisengeplagte Sektor sehr stark von der Witterung im kalten März beeinträchtigt war. „Dass der Einfluss derart stark sein würde, hätten wir aber nicht gedacht“, sagte Deka-Volkswirt Andreas Scheuerle.

>>Tabelle zum Handelsblatt-Frühindikator


>>Tabelle zum Handelsblatt-Ostbarometer

Noch immer werde die deutsche Wirtschaft vor allem vom Export getragen, analysiert van Suntum. Die Bedeutung des Außenhandels sieht der Ökonom in den jüngsten Zahlen zum Auftragseingang der Industrie bestätigt. Danach lag die Exportnachfrage im Februar und im März jeweils um 26,2 Prozent beziehungsweise um 17,7 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresstand. Die Inlandsnachfrage rangierte lediglich um 8,1 Prozent beziehungsweise um 12,2 Prozent höher. Der März-Wert geht allerdings noch nicht in den aktuellen Handelsblatt-Frühindikator ein.

Auch die Volkswirte der Hypo-Vereinsbank sehen in der Exportwirtschaft den alleinigen Treiber des Wirtschaftswachstums in der größten Volkswirtschaft des Euro-Raums. Deutschland sei eine „Wirtschaft mit zwei Gesichtern“: Der private Verbrauch habe sich auch zu Beginn des Jahres nicht erholt, die Binnennachfrage werde keinen positiven Wachstumsbeitrag geleistet haben. Die Bank erwartet – wie die Mehrheit der Ökonomen – einen Anstieg des Wirtschaftswachstums von 0,6 Prozent im ersten Vierteljahr, nachdem die Wirtschaft in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres stagniert hatte.

Eine erste Schätzung, wie stark die Wirtschaft von Januar bis März gewachsen ist, legt das Statistische Bundesamt am morgigen Donnerstag vor. Daten zu den einzelnen Komponenten des Bruttoinlandsprodukts veröffentlicht das Amt erst am 23. Mai.

Besser als im vorherigen Quartal dürfte sich die Wirtschaft auch in den neuen Bundesländern entwickelt haben. Das Konjunkturbarometer Ost signalisiert sogar ein Wachstum von 3,1 Prozent in gleitender Jahresrate im dritten Quartal. Diese günstige Wachstumsprognose basiere sehr stark auf den Zahlen des Münchener Ifo-Institutes für das Geschäftsklima in der ostdeutschen Industrie, so van Suntum. Denn amtliche Angaben über den Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe sind nicht mehr getrennt für Ost und West verfügbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%