Handelsblatt-Frühindikator stagniert
Aufschwung weit und breit nicht in Sicht

Die Erholung der deutschen Konjunktur im zweiten Halbjahr, die sich nach den ersten Monaten abzeichnete, scheint auszufallen. Das signalisiert der Handelsblatt-Frühindikator im Juni, der bei mageren 0,3 % stagnierte. Die nur leichte Erholung nach dem Tiefpunkt im Dezember ist damit bereits wieder zu Ende, und der Rückgang im Mai war kein Ausrutscher.

Das lässt ein erneutes Abknicken der Konjunktur im zweiten Halbjahr befürchten. Von dem erhofften Aufschwung nach dem Ende des Irakkrieges gibt es keine Spur, im Gegenteil: Zuletzt haben sich alle realwirtschaftlichen Einzeldaten, die in den Indikator eingehen, teils deutlich verschlechtert. Besonders hart traf es die neuen Bundesländer, wo sowohl die Auftragseingänge als auch das ifo-Geschäftsklima stark eingebrochen sind. Hinzu kommt die - trotz aktuell leichter Erholung - immer noch desaströse Entwicklung der Bauproduktion. All dies schickte das Handelsblatt-Konjunkturbarometer Ost mit –2,1% im Juni auf Talfahrt. Für die Neuen Länder muss nach gegenwärtiger Datenlage mit einer Rezession im laufenden Jahr gerechnet werden.

Frühindikator West:

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Konjunkturbarometer Ost:

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Der leichten Verbesserung der Stimmungsindikatoren von ifo und dem ZEW fehlt nach wie vor die harte Basis. Der neuerliche Anstieg des ZEW-Finanzmarkttests im Mai wirkt eher wie das Pfeifen im Walde. Auch der erstmalige Wiederanstieg des ifo-Geschäftsklimas für die gesamtdeutsche Industrie seit sechs Monaten muss mit großer Vorsicht genossen werden. Erstens ist er in Anbetracht der weltpolitischen Entspannung mit einem Plus von lediglich zwei Saldopunkten mehr als bescheiden ausgefallen. Zudem ist gleichzeitig der ifo-Wert für die aktuelle Geschäftslage in der Industrie im Gegensatz zu den Zukunftserwartungen nochmals schlechter geworden. Am Bau sieht es nicht besser aus, hier gibt es noch nicht einmal viel Hoffnung für die kommenden sechs Monate. Das triste Bild wird komplettiert durch zuletzt wieder rückläufige Einzelhandelsumsätze, die damit insgesamt im ersten Quartal um gut 1% niedriger lagen als in den beiden vorausgegangenen Vierteljahren.

Das Negativwachstum im ersten Quartal von saisonbereinigt -0,2% hat viele überrascht, mußte aber befürchtet werden. Umgerechnet auf gleitende Jahresrate entsprach es immerhin noch einem Plus des realen Bruttoinlandsprodukts um 0,6%, und das war sogar noch etwas positiver als die entsprechende Vorhersage des Handelsblatt-Frühindikators von 0,5%. Die fast punktgenaue Vorhersage des Frühindikators führte nur zu minimalen Korrekturen der aktuellen Indikatorwerte für die kommenden beiden Quartale. Demnach wird es mit jeweils 0,6% in gleitender Jahresrate zumindest bis zum Herbst keine Wachstumsbelebung in Deutschland geben. Ein erneutes Abgleiten in die Rezession erscheint für Gesamtdeutschland zwar unmittelbar nicht in Sicht, kann aber für den weiteren Jahresverlauf nicht ausgeschlossen werden. Mit Wachstumsraten nahe Null balanciert die Konjunktur weiter hart am Abgrund.

Die aktuelle Entwicklung der Einzelwerte:

  • Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe (Gewicht 42%) sind im März gesamtdeutsch um 3,2% gesunken. Dabei war der Rückgang war im Osten (-4,8%) wesentlich deutlicher als im Westen (-3). Hauptgrund für den Einbruch war das Wegbrechen der Inlandsnachfrage nach Investitionsgütern (-9,1%), zudem hat die Auslandsnachfrage mit –1,2% weiter nachgegeben.
  • Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe (Gewicht 18%) ist im März um 3,3% eingebrochen, wovon besonders der Nichtwohnungsbau mit einem Minus von fast 9% betroffen war. Im übrigen konzentrierte sich der Rückgang vor allem auf den Westen, aber auch in den Neuen Ländern blieb der Auftragseingang schwach. Die Bauproduktion im Osten hat sich nach dem scharfen Einbruch im Februar zuletzt wieder erholt, blieb aber auch im März um fast 18% unter dem entsprechenden Vorjahresniveau.
  • Die Umsätze im Einzelhandel (Gewicht 11%) gaben im März wieder um 0,7% nach und haben damit im ersten Quartal saisonbereinigt um 1,2% niedriger als im Vorquartal gelegen. Einzig Getränke und Nahrungsmittel waren im ersten Vierteljahr etwas mehr gefragt, während die Nachfrage nach teureren Gebrauchsgütern wie Kleidung oder Möbeln stagnierte. Der Autoverkauf war sogar erstmals wieder rückläufig.
  • Die ifo-Geschäftserwartungen im gesamtdeutschen Verarbeitenden Gewerbe (Gewicht 8%) stiegen im Mai erstmals seit sechs Monate wieder an. Der Anstieg von –10,4 auf –8,4 Saldopunkte ging mit ebenfalls leicht verbesserten Exporterwartungen einher, was angesichts des starken Eurokurses überrascht. Die aktuelle Geschäftslage wurde im Mai dagegen mit gesamtdeutsch – 24,1 nach –22,6 Saldopunkte nochmals schlechter beurteilt als im Vormonat. Während sich in der westdeutschen Industrie das Geschäftsklima immerhin leicht verbesserte, ist es im Osten zuletzt wieder eingebrochen.
  • Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland (Gewicht 21%) haben sich im Mai nur minimal von 18,4 auf 18,7 Punkte verbessern können. Das war zwar der fünfte Anstieg in Folge, aber die Zuwachs ist dabei immer geringer geworden und trotz der überstandenen Irak-Krise inzwischen fast zum Erliegen gekommen. Zudem weist das ZEW darauf hin, dass der Stimmungsindex noch immer deutlich unter seinem langjährigen Mittelwert von rd. 34 Punkten liegt.
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