Indikator zieht an
Handelsblatt-Frühindikator auf Erholungskurs

Nach dem deutlichen Anstieg im letzten Monat hat der Handelsblatt-Frühindikator seinen Erholungskurs im August weiter fortgesetzt. Der Anstieg von 0,6% auf 0,7% blieb allerdings verhalten und resultierte zudem aus sehr unterschiedlichen Entwicklungen der in den Indikator eingehenden Einzelgrößen. Immer deutlicher zeigt sich in Deutschland das Bild einer gespaltenen Konjunktur: Während im Export ein regelrechter Boom eingesetzt hat, kommt die Inlandsnachfrage nur mühsam von der Stelle. Der Funke will einfach nicht überspringen. Das ist schon sehr ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass die Auslandsnachfrage jetzt schon seit mehr als einem Jahr kontinuierlich zunimmt. Normalerweise hätte sie längst den inländischen Investitionsmotor in Schwung bringen müssen. Davon kann aber bisher kaum die Rede sein kann; zuletzt sind die Bestellungen von Investitionsgütern aus dem Inland sogar wieder deutlich zurückgegangen.

HB DÜSSELDORF. Die schwache Binnenkonjunktur lässt den Unternehmen bislang offenbar genug Produktionsspielraum, um die steigende Auslandsnachfrage ohne größere Investitionen decken zu können. Darauf deutet auch die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe hin, die laut ifo im Juni mit gesamtdeutsch 83,7% nur geringfügig war als drei Monate zuvor (83,4%). Leider gibt es kaum Anzeichen dafür, dass sich die Binnennachfrage in absehbarer Zeit beleben würde, im Gegenteil. Sowohl die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe als auch die Einzelhandelsumsätze sind im Mai sogar nochmals deutlich eingebrochen. Wenig Hoffnung gibt hier auch der ifo-Konjunkturtest. Sowohl am Bau als auch im Einzelhandel hat sich das Geschäftsklima in den letzten Monaten eher weiter eingetrübt, und zwar in beiden Teilen Deutschlands.

Gesamtdeutscher Frühindikator: >>Tabellen

Konjunkturbarometer Ost: >>Tabellen

Das Konjunkturbild bleibt damit vorerst janusköpfig: Während die Nachfrage im Verarbeitenden Gewerbe ihren entsprechenden Vorjahresstand zuletzt um 11% übertraf, lag sie im Bauhauptgewerbe um 10% und im Einzelhandel um knapp % niedriger als vor Jahresfrist. Die nahezu einhellige Anhebung der Institutsprognosen für das laufende Jahr, im Fall des Essener RWI sogar auf über 2%, ist angesichts dieser Datenlage ein gewagtes Spiel. Der Handelsblatt-Frühindikator stützt solch optimistische Voraussagen jedenfalls derzeit noch nicht. Die gleitende Jahresrate des Bruttoinlandsprodukts dürfte sich zwar von 0,2% im ersten Quartal auf gut 0,7% im zweiten Vierteljahr kräftig erhöhen. Die vergleichsweise schwache Entwicklung der Indikatorwerte im Frühjahr deutet aber für das dritte Quartal eher wieder auf eine leichte Abschwächung des Wachstumstempos hin. Wenn bis dahin nicht doch noch die Binnenkonjunktur an Fahrt gewinnt, erscheint ein Wachstum von 2% oder gar noch mehr im Gesamtjahr kaum realistisch. Aus heutiger Sicht wird man dann schon froh sein können, wenn am Ende die vom HWWA vorausgesagten 1,5% dabei herauskommen.

Die Einzelwerte:



  • Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe (Gewicht 42%) sind im Mai um 1,5% gegenüber dem Vormonat gestiegen. Der Schub war durch einige Großaufträge begünstigt und kam zudem allein aus dem Ausland (+4%), während die Inlandsnachfrage sogar um knapp 1% zurückgegangen ist.



  • Die Nachfrage im Bauhauptgewerbe (Gewicht 18%) ist nach der leichten Verschnaufpause vom Vormonat im Mai mit einem Minus von 5,7% wieder auf Talfahrt gegangen. Allein der Wohnungsbau konnte ein kleines Plus verbuchen, blieb aber trotzdem weiter auf sehr niedrigem Niveau. Konjunkturell bedenklich ist vor allem, dass von dem kleinen Zwischenhoch des Wirtschaftsbaus im ersten Quartal nicht mehr viel übrig geblieben ist. Die Nachfrage sackte hier vielmehr in den Monaten April und Mai auf neue langjährige Tiefststände ab.



  • Die gesamtdeutschen Einzelhandelsumsätze (Gewicht 11%) sind im Mai um geradezu dramatische 2,7% gegenüber dem Vormonat eingebrochen. Anstelle der seit langem herbeigesehnten Trendwende wird die Lage der Einzelhändler immer schlimmer. Einigermaßen vernünftig lief noch der Absatz von Kfz und Lebensmitteln, aber um Bekleidung und Lederwaren machten die Verbraucher weiter einen großen Bogen.



  • Die ifo-Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe (Gewicht 8%) haben sich im Juli erstmals seit sechs Monaten wieder leicht erholt. Der Anstieg von 11,1 auf 13,5 Punkte war zwar nicht überwältigend. Wichtig ist aber, dass auch die aktuelle Geschäftslage deutlich besser beurteilt wurde als noch im Vormonat (1,1 nach –3,4 Punkten). Das dürfte vor allem dem Exportgeschäft zu verdanken gewesen sein, und auch die Exporterwartungen sind im Juli von 12,5 auf 15,9 Punkte kräftig angestiegen.



  • Die ZEW-Konjunkturerwartungen (Gewicht: 21%) haben sich im Juli zum zweiten mal in Folge leicht verbessert (48,4 nach 47,4 Punkten). Auch die Einschätzung der aktuellen Konjunkturlage ist wieder etwas besser geworden, wobei der marginale Anstieg von –69,8 auf –69,3 Punkte im statistischen Unschärfebereich liegen dürfte.



  • Das Konjunkturbarometer für die Neuen Bundesländer ist im August weiter von -0,2% auf –0,3% gesunken. Bei auch im Osten merklicher Besserung der Auftragslage im Verarbeitenden Gewerbe war einmal mehr das schlechte Geschäftsklima im ostdeutschen Baugewerbe dafür maßgeblich.



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