Handelskammer-Umfrage
EU-Unternehmen bei China pessimistisch

Das Wachstum in China geht zurück: Das Geschäft wird härter, die Profite schmelzen. Durch Marktbarrieren entgehen Europas Firmen in China schätzungsweise Geschäfte im Umfang von 21 Milliarden Euro. Die Skepsis wächst.
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PekingEin „Gefühl von Pessimismus“ geht unter europäischen Unternehmen in China um. Die Pläne für Investitionen im Reich der Mitte werden zurückgeschraubt, während Umsatzwachstum und Profitabilität zurückgehen. Das ergab die jährliche Umfrage der Europäischen Handelskammer in China, deren Ergebnisse am Donnerstag in Peking vorgestellt wurden. Beklagt wurden mangelnder Marktzugang und bürokratische Hürden, durch die EU-Unternehmen Geschäfte im Umfang von schätzungsweise 21 Milliarden Euro entgangen seien.

„Zwei Drittel der großen Firmen stellen fest, dass die Geschäfte in China schwieriger geworden sind“, sagte Kammerpräsident Jörg Wuttke. Der Rückgang des Wachstums der zweitgrößten Volkswirtschaft sei zur größten Sorge der europäischen Unternehmen aufgestiegen. Nur noch 57 Prozent wollten ihre China-Aktivitäten ausbauen, nachdem das im Jahr zuvor noch 86 Prozent geplant hatten.

Knapp die Hälfte der Befragten gingen davon aus, dass die „goldenen Zeiten“ für multinationale Unternehmen in China vorbei seien. Bedeutende Reformen und besonders mehr Marktzugang seien notwendig, um das Investitionsklima zu verbessern, sagte Wuttke. „Eine Aufhebung der Marktbarrieren würde mehr als die Hälfte der EU-Unternehmen anspornen, ihre Investitionspläne wieder zu intensivieren.“

Die finanziellen Ergebnisse der europäischen Unternehmen in China hätten sich abgeschwächt. Umsatzwachstum, Verdienstspannen und Profitabilität gingen zurück. Ein Drittel beklagte, dass ihre Gewinnspannen in China sogar unter dem globalen Durchschnitt ihres Unternehmens lägen. Während sich die Aussichten in China weiter verschlechterten, wird gleichzeitig aber ein weiterer Anstieg der Löhne und eine Verschärfung des Wettbewerbs erwartet.

„Der wirtschaftliche Abschwung und härtere Geschäftsbedingungen beginnen, sich auszuwirken“, sagte Wuttke. Der Anteil der Firmen, die ihren Umsatz gesteigert hätten, sei von 78 Prozent im Jahr 2010 auf 59 Prozent im vergangenen Jahr gefallen.

Während das China-Geschäft schwieriger wird, wächst die Abhängigkeit vom Milliardenmarkt. Der Anteil der Unternehmen, die zehn Prozent oder mehr ihres weltweiten Umsatzes in China machen, stieg über fünf Jahre von 32 auf 48 Prozent. Aber nur noch ein Fünftel der Unternehmen sehen China als wichtigstes Investitionsziel, während es vor zwei Jahren noch ein Drittel war. „Unternehmen schauen nach anderen Möglichkeiten“, sagte Wuttke.

Übernahmen chinesischer Unternehmen können sich heute auch nur noch 15 Prozent vorstellen, obwohl es im Vorjahr noch 41 Prozent waren. Den auffallend starken Rückgang erklärte Wuttke damit, dass chinesische Unternehmen „überbewertet“ seien. Das heißt, die Preise der Unternehmen lägen derzeit höher als sie gemessen an Umsatz, Gewinn und Geschäftsaussichten tatsächlich wert sind. EU-Unternehmen wollten erstmal abwarten, bis sich der Markt weiter normalisiere, sagte Wuttke.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • WENN da wirklich etwas dran sein sollte, dass die chinesische Wirtschaft ernsthaft ins Straucheln gerät, dann sollte man insbesondere hierzulande lieber schnell in Deckung gehen ! Nicht nur vom Umsatz/Absatz her sondern auch vom Investitionsvolumen ist China für praktisch alle großen deutschen Konzerne essentiell.
    Man redet immer über die gewaltigen Cashreserven von VW und Co aber man vergisst nur zu gerne die enorme Verschuldung dieser Unternehmen. Dieses Geld steckt in den wie verrückt in China hochgezogenen Fabriken.
    Sollte es da zu Abschreibungen/Verlusten kommen, geraten selbst die ganz großen (Börsen)stars sehr schnell in akute Existenznöte.
    Das ist eben das große Problem mit dem globalen, neokeynesianischen Nullzins und Kaufen!Kaufen!Kaufen! Hype: Man fängt schnell an, zu viel, zu riskant und zu renditeschwach zu kaufen.
    Das geht Lieschen Müller genauso wie den CEOs der Daxkonzerne...

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